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Infos kritisch hinterfragen

Zum Artikel „Kritik an vorgetäuschtem Mord“ vom 1. Juni

Wenn ukrainische Polizei und Staatsanwaltschaft die Ermordung des Journalisten Arkadi Babtschenko vortäuschen, damit erwiesenermaßen Fake-News produzieren, benötigt es für den Kommentar in unserer Zeitung schon den Haudegen Stefan Scholl. Dieser schafft es sogar, in diesem Zusammenhang auf russische Propaganda zu verweisen. Er brachte es obendrein fertig, zu behaupten, dass man Babtschenkos Worten glauben könne. Dieser (laut Scholl „grundsolide Berichterstatter“) hat sich in jüngster Vergangenheit durch widerliche Kommentare im Zusammenhang mit zivilen russischen Unglücken, wie zum Beispiel dem Kaufhaus-Brand in Kemerowo, hervorgetan. Die schlimmsten Nebenwirkungen dieses Fakes erwähnte Herr Scholl leider nicht in seinem Kommentar.

Im Internet waren die ersten Reaktionen auf den vermeintlichen Mord, vor allem die der deutschen Medien, in all ihrer Peinlichkeit zu bewundern. Ohne einen Beweis, einzig aufgrund der Meldung ukrainischer Behörden, kommentierten viele deutsche Journalisten diesen Vorgang. Tiefpunkt war ein inzwischen zurückgezogener Twitterbeitrag des deutschen Journalismusverbandes (!), welcher einen WM-Boykott nahelegte. Wenn jetzt viele dieser journalistischen Fachkräfte beweinen, dass sie aufs Kreuz gelegt wurden, dann sollten sie sich daran erinnern, dass eine Nachricht nur dann vertrauenswürdig ist, wenn sie von zwei voneinander unabhängigen Quellen bestätigt wird. Lernen kann man als Leser aus dieser Farce: Jeder bekommt die Medien beziehungsweise Informationen, die er verdient. Das heißt, dass man alle Informationen hinterfragen und sich anderweitig zusätzlich informieren muss. Journalisten können aus dieser Geschichte lernen, dass auch (oder vor allem) Informationen von offiziellen Behörden kritisch hinterfragt werden müssen.

Stefan Kromer, Kirchheim

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