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IST Metz will jede dritte Stelle streichen

Wirtschaft Der UV-Anlagenbauer in Zizishausen hat mit der Krise in der Druckmaschinenbranche zu kämpfen. Von Henrik Sauer

IST-Hauptsitz in Zizishausen: Das Unternehmen möchte Arbeitsplätze abbauen.Foto: Jürgen Holzwarth
IST-Hauptsitz in Zizishausen: Das Unternehmen möchte Arbeitsplätze abbauen.Foto: Jürgen Holzwarth

Beim UV-Anlagenbauer IST Metz steht ein erheblicher Stellenabbau bevor: Das Unternehmen kündigt an, bis zu einem Drittel der 340 Arbeitsplätze in Nürtingen abzubauen. Der Schritt sei notwendig, weil in der Druckmaschinenbranche auf absehbare Zeit keine Besserung der Lage erkennbar sei. Die Mitarbeiter sind geschockt. Covid-19 und die daraus resultierende Wirtschaftskrise hätten den Maschinen- und Anlagenbau in den vergangenen Monaten extrem belastet. Bei IST Metz liege der Auftragseingang bis Jahresende um circa ein Drittel hinter den budgetierten Erwartungen. „Wir haben in den letzten Monaten die Situation genau beobachtet und stufenweise die erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ergriffen“, so der geschäftsführende Gesellschafter Christian-Marius Metz: „Strukturelle Anpassungen sind nun aber unvermeidbar.“ Durch den Auftragsrückgang fielen abteilungsübergreifend bis zu einem Drittel der Arbeitsplätze in Nürtingen weg.

Bereits seit November 2019 seien Überstunden abgebaut worden. Seit Februar 2020 sei für sechs Monate Kurzarbeit eingeführt worden. Der Personalabbau sei unausweichlich, so der Geschäftsführer. IST Metz sei ein anerkannter Markt- und Technologieführer mit hochqualifiziertem Personal. Die Prognosen für die mittelfristige Zukunft erforderten jedoch entschlossenes Handeln. „Wenn der weltweite Bedarf an Druckmaschinen massiv einbricht, kann ein Zulieferbetrieb noch so gut aufgestellt sein. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man seine Kapazitäten den Marktgegebenheiten anpassen muss“, so Metz. Die Vorgespräche mit dem Betriebsrat hätten bereits begonnen.

Mit einer bereits laufenden Restrukturierung wolle sich IST Metz wieder zukunftsfähig machen. So werde man weiter in den Vertrieb und die eigene Innovationskraft investieren. Die positiven Effekte würden sich jedoch erst mittelfristig einstellen. „Neben allen schmerzlichen Einschnitten gilt es, Marktfelder mit guter Zukunftsprognose noch intensiver zu bearbeiten und neue Chancen zu nutzen, die sich auch durch die Corona-Krise ergeben“, so Metz. So verfüge IST Metz bereits über die Technologie, potenziell virenbelastete Aerosole in Klassenzimmern, Arztpraxen oder auch Bars und Restaurants innerhalb von Sekunden unschädlich zu machen.

IST Metz macht Anlagen zur Aushärtung von Druck und Beschichtungen mittels UV-Licht. Weltweit sind rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. Der Stellenabbau beziehe sich aber nur auf den Standort Nürtingen, so das Unternehmen.

Per Videobotschaft informiert

Im Betriebsrat ist man vom Ausmaß des geplanten Stellenabbaus geschockt. „Dass jetzt circa ein Drittel der Belegschaft abgebaut werden soll, ist für den Betriebsrat nicht vollständig nachvollziehbar“, sagen die Arbeitnehmervertreter. Am vergangenen Freitag habe Geschäftsführer Metz in einer Videobotschaft die Belegschaft mit dieser Zahl in Angst versetzt.

Dem Betriebsrat sei Anfang Mai eine Beratungsfirma vorgestellt worden, die sich mit der Zukunft von IST befassen sollte: „Ab diesem Zeitpunkt war für den Betriebsrat klar, dass wir einem Stellenabbau entgegensehen.“ Vergangene Woche seien ihm die Auswertungen und die beabsichtigten Konsequenzen präsentiert worden. Die Beratungsfirma habe erklärt, dass der Gewinneinbruch im ersten Halbjahr nicht nur der weltweiten Wirtschaftslage und Corona geschuldet sei, sondern auch aus internen Problemen resultiere.

Bei den Arbeitnehmervertretern hat man Zweifel, ob der Betrieb mit einem Drittel weniger Belegschaft noch wirtschaftlich sein könne. Dies werde eine der Fragen sein, die in den kommenden Verhandlungen geklärt werden müssten. Ebenso werde man versuchen, „den Stellenabbau so gering wie möglich zu halten, und denen, die gehen müssen, eine kleine Perspektive zu bieten“.

Die aktuelle Situation mache es für die Betroffenen nicht einfach, wieder eine Arbeit zu finden. Der Betriebsrat mahnt die Fürsorgepflicht des Unternehmers an, „nicht nur dem Personal und den Familien gegenüber, sondern auch der ganzen Region Nürtingen“, aus der der Großteil der Belegschaft komme: „Die Führung des Unternehmens entzieht sich durch den geplanten Stellenabbau ihrer sozialen Verantwortung gegenüber allen Bewohnern der Region, und das in einer Situation, in der wir alle finanziell und sozial auf sehr viel verzichten müssen.“

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