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„Ja zum Erhalt des Hungerbergs in der heutigen Form“

Infrastruktur Die Fraktion der Grünen im Kirchheimer Gemeinderat spricht sich gegen eine Bebauung aus.

Kirchheim. Die Fraktion der Grünen im Kirchheimer Gemeinderat hat sich mit einer Ausweisung des Hungerbergs als Vorhaltestandort für Gewerbe beschäftigt - in internen Diskussionen und Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern. „Prinzipiell stehen wir Grünen der Neuansiedlung von Firmen in der Region Stuttgart positiv gegenüber. Wir wollen, dass unsere Region weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsstandort für Schlüsseltechnologien bleibt. Aber eben nicht um jeden Preis und jede Grünfläche, sondern mit klugen und nachhaltigen Ansätzen“, sagt Stadt- und Regionalrätin Lena Weithofer.

Weil den Grünen das am Standort Hungerberg fehle und weil sie dort große ökologische, soziale und verkehrliche Bedenken hätten, lehnten sie einen Vorhaltestandort am Hungerberg ab.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Kirchheim, Sabine Bur am Orde-Käß, wird noch deutlicher: „Eine Vorratshaltung von Gewerbeflächen im Ballungsraum Stuttgart lehnen wir grundsätzlich ab. Durch die Ausweisung eines Vorhaltestandortes wird ein Gewerbegebiet planerisch und baulich auf den Weg gebracht, ohne dass es konkrete Zusagen von Unternehmen gibt, sich vor Ort ansiedeln zu wollen.“ Da in der Region Stuttgart noch ausreichend Gewerbeflächen in den Flächennutzungsplänen sowie Industriebrachen ausgewiesen seien, müssten zunächst diese Flächen aktiviert werden.

Eine Neuversiegelung müsse immer gut abgewogen werden. Ebenso müssten massive Einschnitte in die Frischluftzufuhr, in den regionalen Grünzug, in das intakte Landschaftsbild und in die Landwirtschaft, die uns mit regionalen Produkten versorgt, sorgfältig abgewogen werden. In Zeiten von Klimawandel und massivem Artenstreben müssten deutlich mehr Anstrengungen unternommen werden, um den sogenannten Transformationsprozess in der Automobilindustrie, und darum gehe es angeblich beim Hungerberg, auf vorhandenen Firmenflächen oder Industriebrachen zu vollziehen, so die Grünen. Die Fraktionsvorsitzende kritisiert: „Überall wird vor den Folgen und den Kosten der Klimakatastrophe gewarnt und Klimafolgenanpassung gefordert. Dann kann man doch nicht ohne Not weitere 21 Hektar Grünfläche der Versiegelung preisgeben.“

Um den Vorhaltestandort am Hungerberg möglich zu machen, hat die Regionalversammlung den Grünzug, der dort bisher ausgewiesen war, aufgehoben. „Ein Grünzug sichert die Freiraumfunktionen Boden, Wasser, Klima, Arten- und Biotopschutz. Außerdem soll ein Grünzug der naturbezogenen Erholung dienen und insbesondere der land- und forstwirtschaftlichen Bodennutzung und Produktion. Einmal aufgehoben, falle dieser regionale Grünzug komplett aus und wird auch nicht mehr ersetzt“, so Grünen-Stadtrat Michael Attinger.

Die Klimakrise, der Strukturwandel in der Wirtschaft, aber auch die Corona-Pandemie machten deutlich: „Wir befinden uns in Umbruchzeiten. Wir brauchen angesichts endlicher Flächen innovative und ressourceneffiziente Lösungen für Gewerbe- und Industriestandorte. Wir sind der Überzeugung, dass die Frage von Wohlstand und Wachstum entkoppelt werden muss von immer neuen Flächen auf der ‚Grünen Wiese‘. Denn neue Flächen bedeuten nicht automatisch neue Arbeitsplätze und Wohlstand“, betont Stadtrat Manfred Machoczek. Der Erhalt des Hungerbergs in seiner heutigen Form bedeute eben nicht Stillstand, wie es die Befürworter des Vorhaltestandorts glauben machen wollten, sondern Wohlstand und Zukunft in Bezug auf die Lebensqualität der Menschen in Dettingen und Kirchheim.

Die Grünen begrüßen es, dass die Dettinger Bürgerinnen und Bürger am kommenden Sonntag in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen können, wie der Hungerberg künftig aussehen soll. Die Empfehlung der Grünen lautet: „Ja zum Erhalt des Hungerbergs in seiner heutigen Form“.pm

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