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Kein Maulkorb für Andersdenkende

Zum Artikel „Sprachlos in Kirchheim“ vom 18. Mai

Ich kann diese stille Art zu demonstrieren voll und ganz nachvollziehen: In zahlreichen Berichten und öffentlichen Videos im Social-Media-Bereich beispielsweise werden Autoren in nachfolgenden Kommentaren unterstützt und bewundert, weil sie eine kritische Meinung, auch zum Umgang mit der Coronakrise, äußern. Vor Kurzem habe ich ein Statement eines Intensiv-Mediziners auf facebook geteilt - nicht nur wegen des durchaus sinnvollen Inhalts dessen Videos, sondern wegen den Kommentaren, die immer wieder hervorheben, dass der Autor „mutig“ sei, weil er seine Meinung öffentlich kundtut. Das hat mich persönlich schockiert, und ich finde es bedenklich, dass Menschen, die kritisch sind, mittlerweile Angst haben müssen, ihre Meinung zu sagen. Zu groß ist scheinbar die Gefahr, in denselben Topf mit Verschwörungstheoretikern und Extremisten geworfen und folglich für unzurechnungsfähig gehalten zu werden. Man sollte aufpassen, dass das Verurteilen und Ins-Lächerliche-ziehen alternativer Gedanken nicht in eine falsche Richtung geht und dadurch Andersdenkenden und Alternativen ein Maulkorb verpasst wird. Solange es sich nicht um menschenverachtendes Gedankengut handelt, sollte doch jeder Bürger frei seine Meinung äußern können, ohne Angst zu haben, von der Gesellschaft geächtet zu werden.

Anja Schulenburg, Kirchheim

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