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Keine fruchtbare Diskussion

Zur „Querdenker“-Demonstration am Donnerstag, 19. November

Die Querdenker-Demonstration, der ich schon häufiger in Kirchheim begegnet bin, war mir bisher egal. Bei der Veranstaltung am 19. November rief aber direkt vor mir der Mann mit dem Megafon: „Gestern wurde das Grundgesetz abgeschafft!“ und er sprach vom „Ermächtigungsgesetz“, das am Mittwoch im Bundestag verabschiedet worden sei. Diese Behauptungen haben mich kurzfristig so zornig gemacht (ich bin Geschichtslehrerin), dass ich die hinterherlaufenden Leute angesprochen habe, ob sie ernsthaft meinen, unsere Lage heute sei so wie die des Jahres 1933, und sie als Demonstranten seien mit den Kämpfern gegen das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 vergleichbar.

Es entstand nicht wirklich eine fruchtbare Diskussion. Immerhin geriet ich etwas später an einen freundlichen Mann, der zugestand, man solle das mit den Nazivergleichen besser lassen, der mir aber auch darlegte, mein Problem liege in meinen Informationsquellen - „Sie lesen wahrscheinlich den Teckboten?“. Mit allen „Mainstream-Medien“ verhalte es sich nämlich so: Sie seien zentral gesteuert durch den amerikanischen Geheimdienst, alle Journalisten seien „gekauft“ und nur sie, die Querdenker, verfügten über den Zugang zur Wahrheit, zu „objektiven“ Internetseiten.

Woher diese Quellen ihre Informationen haben, ließ sich nicht mehr klären, denn eine weitere Querdenkerin brachte sich in das Gespräch ein. Sie berichtete mir ungefähr Folgendes: Das Coronavirus sei von den Chinesen extra hergestellt worden, damit Amazon möglichst viel Geld verdienen kann. Ich habe nicht ganz verstanden, worin der Zusammenhang zwischen den Chinesen und Amazon liegt. Nächsten Donnerstag muss ich wohl noch einmal genauer nachfragen, auch um zu erfahren, was es mit den Weltherrschaftsplänen von Bill Gates auf sich hat und welche Rolle Jens Spahn dabei spielt.

Nicola Becker-Waßner, Bissingen

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