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Kirche vernebelt die Realität

Zum Artikel „Von Muschelgeld bis Kryptowährung Bitcoin“ vom 28.  April

Es ist für mich unfassbar, wie die Martinskirchenstiftung eine Vortragsreihe mit dem anspruchsvollen Titel „Werte, Ethik und erfolgreiches Wirtschaften“ initiieren kann und dann einen Referenten einladen, dem beim Thema „Geld“ nicht viel mehr einfällt als ein „unterhaltsamer“ Gang durch die Geschichte des Geldes. So offenbar geschehen in der Martinskirche beim jährlichen Vortrag der Martinskirchenstiftung.

Offenbar kein Wort davon, warum die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft. Kein Wort davon, warum das Geld ungleich und ungerecht verteilt ist. Und kein Wort davon, dass wir heute im finanzmarktgetriebenen Kapitalismus leben, der das Leben der ganzen Menschheit und die ganze Erde bedroht, indem er Hunger, Kriege, Zerstörung und Naturkatastrophen produziert. Kein Wort davon, dass in diesem Kapitalismus der Konkurrenzkampf um immer mehr Geld zum höchsten Wert für den Menschen geworden ist, dem alle unterworfen werden, ob sie wollen oder nicht!

Die Kirche hätte dazu von ihrer Botschaft her einiges zu sagen, vor allem Kritisches und Zukunftsweisendes - aber offenbar kein Wort davon. Das war nicht nur eine verpasste Chance, sondern in seiner Unverbindlichkeit eine beschämende Bankrotterklärung, und nicht nur eine Verneblung der Realität, sondern ein Verrat an der kritischen und befreienden Botschaft des Evangeliums.

Martin Brost, Dettingen

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