Unzugeordnete Artikel

Kirchheimer Quartett bleibt in Berlin

Wahlkreis Rund um Teck und Neuffen war frühzeitig klar, dass Michael Hennrich sein Direktmandat verteidigen konnte. Die anderen drei Abgeordneten waren über gute Listenplätze abgesichert. Von Andreas Volz

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Eins war von Anfang an klar, und alle Spitzenvertreter der Parteien haben es seit den ersten Prognosen ges­tern ab 18 Uhr im Fernsehen beständig wiederholt: „Es wird ein langer Abend.“ Und nicht nur der Abend nach der Bundestagswahl sollte lang werden. Das Ergebnis lässt nämlich ganz unterschiedliche künftige Regierungskoalitionen zu. Wer sich an die quälend langen Wochen und Monate nach der Wahl 2017 erinnert, könnte durchaus befürchten, dass die jeweiligen Verhandlungen über Dreier-Bündnisse auch dieses Mal platzen. Am Ende käme dann die ungeliebte Fortsetzung der ungeliebten Großen Koalition heraus - wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen, mit einem SPD-Kanzler Scholz an der Spitze.

Ein weniger langer Abend war es dagegen im Wahlkreis Nürtingen, zu dem auch die Gegend rund um Kirchheim und die Teck gehört: Hier zeigten schon die ers­ten Auszählungsergebnisse den Trend an, der sich bis zum Ende des Zählvorgangs fortsetzen sollte: Der „Titelverteidiger“, CDU-Kandidat Michael Hennrich, holt das Direktmandat zum sechsten Mal in Folge, seit seinem ersten Einzug in den Bundestag im Jahr 2002.

Er folgt damit auch dem Landes­trend: Die 30,19 Prozent der Erststimmen, die er im Wahlkreis Nürtingen bei Redaktionsschluss für sich verbucht hatte, sind weit entfernt von der absoluten Mehrheit, mit der er den Wahlkreis noch vor acht Jahren gewonnen hat. Aber wie fast alle seiner CDU-Mitstreiter aus Baden-Württemberg liegt Michael Hennrich damit über dem bundesweiten Zweitstimmenergebnis seiner gebeutelten Partei.

Der neuerliche Erfolg Michael Hennrichs war am gestrigen Wahltag eigentlich der einzige kleine „Unsicherheitsfaktor“ im Land zwischen Teck und Neuffen. Was nämlich bereits im Vorfeld feststand, war das erfolgreiche Abschneiden von Hennrichs drei Kollegen aus dem Wahlkreis: Anders als der CDU-Mann waren Nils Schmid (SPD), Matthias Gastel (Grüne) und Renata Alt (FDP) über gute Listenplätze von vornherein abgesichert. Sie mussten also nicht um die „Verlängerung“ ihres Bundestagsmandats bangen. Hätte einer von ihnen Michael Hennrich vom ersten Platz verdrängt, wäre es allenfalls das Tüpfelchen auf dem „i“ geworden.

Die Abstände werden kleiner

Deutlich geworden ist ges­tern allerdings auch ein weiterer Trend: Die Abstände werden kleiner. Der Sieg der CDU beim Rennen ums Direktmandat wird immer weniger zu einer „sicheren Bank“. 2013 und 2017 hatte Michael Hennrich noch mehr als doppelt so viele Stimmen erhalten als die Zweitplatzierten von der SPD, Rainer Arnold (2013) und Nils Schmid (2017). Jetzt beträgt der Abstand zwischen Erst- und Zweitplatziertem nur noch 9 Prozentpunkte. Die Zahlen sind allerdings nicht exakt, weil bei Redaktionsschluss noch eine Stadt fehlte.

Nils Schmid hat sich indessen gegenüber 2017 von 19,0 auf 21,19 Prozent nur leicht verbessert. Das zeigt auch für die SPD, dass die Erststimmen im eigenen baden-württembergischen Wahlkreis nicht mit dem bundesweiten Trend gleichzusetzen sind.

Größere Sprünge hatten im Vergleich dazu Matthias Gastel und Renata Alt zu verzeichnen: Der Grünen-Abgeordnete hat seine 14,8 Prozent von 2017 auf 17,5 Prozent gesteigert. Seine FDP-Kollegin hat sich sogar von 9,9 Prozent auf 13,93 verbessert. Beide liegen somit über dem bundesweiten Zweitstimmenergebnis ihrer jeweiligen Partei.

Kerstin Hanske (AfD; 8,46 Prozent) und Hüseyin Sahin (Linke; 2,42 Prozent) konnten dagegen nicht an die Ergebnisse ihrer Vorgänger anknüpfen: Vera Kosova hatte 2017 im Wahlkreis Nürtingen noch 11,9 Prozent der Erststimmen für die AfD geholt, Heinrich Brinker 4,8 Prozent für die Linke.

Nach der „Ausschüttung“ ging es gestern in der Kirchheimer Stadthalle ans Zählen. Foto: Carsten Riedl
Nach der „Ausschüttung“ ging es gestern in der Kirchheimer Stadthalle ans Zählen. Foto: Carsten Riedl
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