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Kleine Landwirte in Aktion

Ferien Zehn Mädchen und Jungen begeben sich auf eine Erkundungsreise auf den Bauernhof und genießen anschließend ihr selbst gemachtes Brot. Von Maik Treder

Zusammen mit Hofherrin Marion Gölz und der Kursleiterin Waltraud Bogsch von „Forum Altern“ erkunden die Teilnehmer des Dettinger
Zusammen mit Hofherrin Marion Gölz und der Kursleiterin Waltraud Bogsch von „Forum Altern“ erkunden die Teilnehmer des Dettinger Sommerferienprogramms den Naberner Hof. Fotos: Markus Brändli

Das Schild „Willkommen Teilnehmer des Sommerferienprogramms!“ begrüßt zehn Kinder bei ihrer Ankunft auf dem Bauernhof in Nabern. Die Vorfreude auf die fünfhundert Hühner, zwei Pferde und dreißig Kühe ist deutlich zu spüren.

Waltraud Bogsch ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im „Forum Altern“, einer Dettinger Initiative für ältere Menschen. Sie organisiert das heutige Programm und begleitet die Kinder bei ihrer Entdeckungsreise auf dem Bauernhof. Die Gruppe wird herzlich von Hofbetreiberin Marion Gölz empfangen. „Mir lebat ond schaffat hier“, erzählt sie voller Stolz. Der Bauernhof befindet sich seit 1972 im Familienbesitz. Die Arbeit am Hof ist selbstverständlich verbunden mit der Liebe zum Tier. Aber während der Ernte kann ein 16-Stunden-Arbeitstag durchaus vorkommen. Trotz all der Liebe gehört der Stress also dazu. Nach der kurzen Vorstellung dürfen die Kids auch schon mit ihrer Erkundung beginnen.

Gleich am Anfang ziehen zwei Kälber im Alter von vier Wochen die Aufmerksamkeit der Feriengruppe auf sich. „Wie viel Liter Milch trinkt denn so ein Kalb am Tag?“, fragt eine Kinderstimme. Erfreut über das große Interesse der aufgeweckten jungen Leute entgegnet Marion Gölz: „Ganze zwei Liter morgens sowie zwei Liter abends.“ Die Kleinen staunen nicht schlecht.

Noch beeindruckter aber sind sie, als sie die 30 Kühe bei der Fütterung beobachten dürfen. Die Bäuerin erklärt, dass die Rinder pro Tag knapp 100 Liter Wasser trinken müssen, um 20 bis 30 Liter Milch geben zu können.

„Unsere Kühe haben Namen, nicht nur Nummern“, erklärt Marion Gölz weiter. Damit hebt sich ihr Bauernhof von Großbetrieben ab. „Jeder hier am Hof hat so seine Lieblingskuh, meine zum Beispiel ist die Holstein-Kuh Grazia.“

„Wow“, rufen die Kinder begeistert aus, als sie den Milchkanister neben der Melkanlage stehen sehen. „Der umfasst ganze 1 600 Liter“, stellt die Hofherrin fest. Ein kleines Experiment dürfen die „angehenden Landwirte“ sogar selbst wagen: Wer sich traut, kann seine Finger an eine der Melkdrüsen halten. So lässt sich das Gefühl ein Stück weit nachempfinden, das die Kühe beim Melken spüren. Ganz ungefährlich ist das Melken aber nicht, gibt Marion Gölz zu. Es gebe immer ein paar aggressive Tiere, die ausschlagen.

Es folgt die nächste Station auf dem Hof, der Hühnerstall. „Woran erkennt man eigentlich die Farbe des Eis, das die Hühner legen?“, fragt Marion Gölz die Jungen und Mädchen. „Na an der Farbe der Federn“, antwortet eine der Teilnehmerinnen. „Es kommt eigentlich auf die Farbe des Ohrläppchens an“, berichtigt sie die erfahrene Landwirtin: „Ist es weiß, dann ist auch das Ei weiß“. Sogar Waltraud Bogsch, deren Großeltern einen Bauernhof betrieben, ist erstaunt: „Das wusste ich selbst noch nicht.“ An die Kursleiter gewandt, spricht die Hofbetreiberin ein prekäres Thema an: die neue Tierschutzverordnung. Dadurch wurde das Entfernen der Hühnerschnäbel untersagt. Hühner hätten daraufhin wie „Kannibalen“ aufeinander rumgepickt. Deswegen müsse man sie nun mit Picksteinen und ähnlichem beschäftigen.

Zum Schluss dürfen die kleinen Bäuerinnen und Bauern noch einen eigenen Melkversuch an einer Holzkuh starten. Marion macht es vor, und die Kleinen versuchen, es ihr gleichzutun. Diese Übung macht allen großen Spaß. Anschließend wird noch im familieneigenen „Hoflädle“ Sahne gekauft, die später zu Buttermilch verarbeitet werden soll.

Zurück im „Forum Altern“ in Dettingen backen die Teilnehmer mithilfe von Bäckerin Kiedaisch Knäckebrot. Zuerst aber schütteln sie ihre Buttergläser, hüpfen und springen dabei rum, bis die Butter fest wird. Auch ein großes Butterfass kommt hier zum Einsatz: Sie sieben die Milch ab und genießen am Ende des erlebnisreichen Tages ofenfrisches Brot.

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