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Laptops und Chancen schenken

Erziehung Bei der Kinderstiftung stehen zwei Projekte im Mittelpunkt, um benachteiligten Kindern zu helfen.

Lernbegleiter der Kinderstiftung helfen Schülern per Videokonferenz beim Lernen. Foto: pr
Lernbegleiter der Kinderstiftung helfen Schülern per Videokonferenz beim Lernen. Foto: pr

Finanziell benachteiligten Kindern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen - das sieht die Kinderstiftung als ihre Kern­aufgabe an. Die Corona-Krise hat die Benachteiligung aber noch vergrößert. Im Homeschooling wurden die Kinder weiter abgehängt, weil ihnen die nötigen technischen Geräte, die elterliche Unterstützung und das digitale Know-how fehlten. Dinge, die ihre Klassenkameraden wie selbstverständlich über das Elternhaus mitbekommen. Mit dem digitalen Patenprojekt „Chancenschenker 4.0“ und einer Laptop-Spendenaktion hat die Kinderstiftung darauf reagiert.

„Je geringer der Bildungsstand ist, desto höher ist das Armuts­risiko“, erklärte Lisa Kappes-­Sassano, Regionalleiterin der Caritas Fils-Neckar-Alb bei der Pressekonferenz der Kinderstiftung. „Eine Chance bei der Armutsprävention ist eine gute Bildung.“ In der Corona-Zeit habe sich dies besonders gezeigt und die Stiftung dazu inspiriert, dieses neue Projekt zu starten.

Denn seitdem ist ein Digitalisierungsschub durch viele Schulen gegangen. Bedingt durch die Schließungen stellten manche Unterrichtsmaterial und Erklärvideos auf Online-Plattformen bereit, griffen auf Lernapps zurück oder initiierten Videokonferenzen im Klassenverband. Wer keinen PC zu Hause hatte, war von all dem abgeschnitten.

„Corona war wie ein Brennglas, durch das bereits vorhandene soziale Themen noch deutlicher wurden“, sagt Joachim Haas, Mitglied des Caritas-Ausschusses der Nürtinger Kirchengemeinde St. Johannes und beruflich als Leiter des Sozialamts in Reutlingen tätig. Viele Kinder seien bereits bei den Wohnverhältnissen benachteiligt. Zu Hause würden mitunter Schreibtische, Stühle, Drucker und Internetanschluss fehlen. Selbst für Papier fehle das Geld. Bei Familien mit mehreren Kindern gebe es auch keinen Rückzugsraum zum Lernen. Die Schulen öffnen zwar wieder, aber ein Laptop bleibt in einem sich immer schneller digitalisierenden Schulsystem ein grundlegendes Lernmaterial. Bereits vor der Krise wurde von den Schülern erwartet, dass sie für Aufsätze online recherchieren und Präsentationen mit Power-Point erstellen.

Lernbegleiter unterstützen

Die Kinderstiftung hat daher gehandelt und bis jetzt 68 Laptops an Kinder aus einkommensschwachen Familien ausgegeben, weitere Anträge werden noch angenommen. Damit die Kinder mit dem Laptop auch umgehen können, sind kostenlose Workshop-Angebot zur Förderung von PC- und Medienkompetenzen geplant.

Die Kinder brauchen aber auch einen Erwachsenen, der beim Lernen für Rückfragen zur Verfügung steht. Diese Verantwortung wurde während der Schulschließungen zum großen Teil den Eltern überlassen. Für einige Eltern ist dies jedoch nicht leistbar. Daher vermittelt die Kinderstiftung seit einiger Zeit ehrenamtliche Lernbegleiter im Rahmen des Patenprojekts Chancenschenker. Diese unterstützen einmal pro Woche bei Schulaufgaben, beim Lesenüben oder Deutschlernen - seit ­Corona häufig auch online. Es werden auch Patenschaften angeboten, in denen es nicht ums Lernen geht, sondern um gemeinsames Basteln, Spielen, Sportmachen oder Musizieren. Aktuell werden 25 Kinder durch Patenschaften begleitet.

In diesem Jahr seien 17 000 Euro für technische Ausstattung ausgegeben worden, um 68 Familien den Zugang zum Homeschooling zu ermöglichen. Inzwischen seien auch die Fördermittel von Bund und Land für die Digitalisierung der Schulen in Nürtingen angekommen. „Aber die Kinderstiftung war schneller.“ Dabei habe man auch von der Unterstützung des Landkreises profitiert, ergänzt Lisa Kappes-Sassano. Auch die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen half mit einigen ausgemusterten Rechnern aus, wie Vorstandsmitglied Frank Dierolf mitteilte, der zugleich Kuratoriumsmitglied der Kinderstiftung ist. Er kümmert sich auch um die Refinanzierung der Stiftung, die ohne Spenden unmöglich wäre. „Die Spenden haben sich jedoch in diesem Jahr halbiert.“ Er appelliert daher an Firmen und Privatpersonen: „Wenn das wirtschaftliche Umfeld nicht da ist, können wir auch nicht Gutes tun.“ Und er betont: „Es bleibt alles im Landkreis.“Lutz Selle

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