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Leider, leider, leider

Zum Artikel „Spahn will Maskenpflicht bis 2022 verlängern“ vom 5. August

2021. Frühling herrscht im Land. Wir schauen mit Staunen und Unglauben auf die Inzidenz, die im freien Fall fast auf dem Grund angekommen ist und damit den grundrechtseinschränkenden Maßnahmen denselbigen entzieht, also den Grund. Leider, leider, leider.

Es war immer ein Hochgenuss, den panischen Herolden gebannt an den Lippen zu hängen. Wie sie aus Unwissenheit, persönlicher Angst oder einfach nur dem (Schafs-)Herdentrieb folgend, lautstark und öffentlichkeitswirksam, ihre Meinung zum scheinbar Unbekannten kundtaten und stante pede uns, leider, leider, leider, mitteilen mussten, dass sie uns zur Unfreiheit verurteilen müssen, nur zu unserem Besten natürlich. Nur zeitweise natürlich. Diese Zeit war herrlich.

Dann wurde die Knechtschaft plötzlich gelockert. Erst langsam und dann immer mehr. Wohin sollte das noch führen? Zurück zur Freiheit? Ich bin das doch gar nicht mehr gewohnt!

Doch dann steigt sie endlich wieder, diese wundervolle, mit nichts zu vergleichende, lebenspendende Inzidenz! Seit Wochen. In winzigen Schritten. Aber bitte, Kleinvieh macht auch Mist. Und nun kriechen die Mahner, Bewahrer und Weltenretter wieder aus ihren Deckungen hervor und ihre Stimmen hallen wieder weithin übers Land. Wie habe ich sie vermisst!

Es wird nicht mehr nur diskutiert, es wird geplant. Endlich.

Maskenpflicht, Abstand bleibt. Die Geimpften werden geadelt. Ungeimpfte? Die Erde leidet unter Überbevölkerung. Weg mit euch. Quarantäne von ganzen Schulklassen? Aber klar. Die Gören leisten doch keinen Beitrag zum Gemeinwohl. Weg damit. Grundrechte? Stören nur. Selbstbestimmung? Nicht wichtig. Mündiger Bürger? Nur lästig. Besserung in Sicht? Nein. Leider, leider, leider.

Jürgen Wannenwetsch, Kirchheim

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