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Lernbrücke abgesagt: „Wir fühlen uns allein gelassen“

Schulen Eine Kirchheimer Mutter berichtet über ihre Erfahrung mit dem Lernförderprogramm des Landes.

Kirchheim. Die Mitteilung kam Mitte Mai: Ihrer 14-jährigen Tochter wurde empfohlen, im Fach Französisch an der von der Landesregierung beworbenen „Lernbrücke“ teilzunehmen. Für Claudia M. (Name geändert) ergab sich dadurch ein Problem, denn der Familienurlaub war bereits gebucht. Doch weil sie wusste, dass in der Corona-Zeit wegen Verständnisproblemen durch das Maskentragen und den Fernunterricht bei Ihrer Tochter tatsächlich Lücken bestanden, stornierte sie den Urlaub.

Am letzten Schultag kam dann der Schock: „Wir erfuhren, dass es leider keine Lehrkräfte für Lerngruppen in den Fächern Französisch und Latein gibt, und unser Engagement diesbezüglich für die Katz war“, erzählt die enttäuschte Mutter. Die Schulleitung bestätigte das auf Nachfrage: Für die 8. Klasse könne keine Angebot gemacht werden. Auch Anfragen bei anderen Schulen seien ergebnislos geblieben. Zudem habe man über eine digitale Pinnwand des Kultusministerium eine Anfrage an Lehramtsstudenten für das Fach Französisch und Latein gestellt, ohne eine Rückmeldung bekommen zu haben. Allerdings sei die Zeit auch sehr knapp gewesen, heißt es weiter.

Claudia M. hat sich derweil beim Regierungspräsidium in Stuttgart beschwert. Dort verwies man aber darauf, dass es seitens der Schule sich „lediglich um eine Bedarfsabfrage hinsichtlich einer Teilnahme“ an den „Lernbrücken“ gehandelt habe und das noch nicht als verbindliche Zusage gelte. Dazu meint die Mutter: „Wenn wir eine Empfehlung bekommen, gehen wir davon aus, dass es auch stattfindet.“ Sie bleibe nun auf den Mehrkosten für den stornierten Urlaub sitzen und fühle sich vom Kultusministerium sehr alleine gelassen. „Man ist einfach machtlos ausgeliefert“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich hätte mir gewünscht, dass man das Angebot der Schulen zusammenlegt.“

Beim Kultusministerium versteht man den Unmut, verweist aber darauf, dass es sich darum um Einzelfälle handele. „Normalerweise finden wir eine Lösung, um ein Angebot zu machen“, sagt Sprecher Fabian Schmit. Grundsätzlich müsse man bedenken, dass es sich um ein freiwilliges Angebot handele und somit kein Rechtsanspruch bestehe. „Das gilt ja für beide Seiten“, betont er.

Tatsächlich berichten Lehrer und Schulleiter auch von umgekehrten Fällen: Dass Eltern die Angebote nicht wahrnehmen, weil sie den Urlaub gebucht haben oder aus anderen Gründen ihre Kinder nicht zur Lernbrücke schicken.

Dass sich nicht immer genügend Lehrer finden, kann Lucia Heffner, Schulleiterin des Kirchheimer Schloßgymnasiums, auch verstehen. „Nach diesem anstrengenden Jahr gönne ich jeder Lehrerin und jedem Lehrer ihren Urlaub“, sagt sie. Ohnehin hält sie die zwei Lernwochen nicht für die optimale Lösung. Besser seien Angebote während des Schuljahrs, etwa eine Stunde pro Woche. Das entspricht auch den politischen Plänen: Im Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ soll genau das in Kleingruppen angeboten werden. Dabei sollen neben den fachlichen auch die Defizite im sozial-emotionalen Bereich berücksichtigt werden. Thomas Zapp

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