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Leserbrief: Menschliche Aggressivität

Zum Artikel „Krieg in den Genen“ vom 22. Dezember

Eigentlich wollte ich die folgenden Gedanken für mich speichern und beiseite legen. Ein anonymer Brief passt aber so gut zum Thema, dass ich schon wieder an die Öffentlichkeit gehe - diesmal aber nicht menschlichem Verstand misstrauend! Yasemin Gürtanyel wird leicht zur Zielscheibe. Ergänzend für besseres Verständnis kann das Buch des israelischen Sachbuchautors Yuval Noah Harari dienen. Titel: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“. Darin untermauert dieser Historiker und „Prähistoriker“ menschliche Aggressivität plausibel als Tatsache. Von gewissen Lesern wird das sogleich unfreiwillig bewiesen. Man muss sich aber endlich an den Unterschied von Jagdinstinkt und Bösartigkeit gewöhnen.

Wahrscheinlich gab es den Ur-Menschen vor einer Million Jahren schon als Jäger und Sammler, Stammvater auch des Homo-Sapiens, der bei uns vor mindestens 20 000 Jahren in organisierten Horden - neu: „Seilschaften“ - den Neandertaler austrickste. Wenn Humanismus mit Vergötterung dieses dynamischen Lebewesens einher geht, muss man seinem Freiheitsdrang Korrekturen anbieten. Vielleicht reichen einige Tausend dicke Gesetzbücher und Verträge nicht als Regelwerke zum Weltfrieden.

Ein strukturierter Kapitalismus enthält die erstmalige Chance, traditionelle Kriege in unblutige Finanzkriege zu verlagern. Das Volk hält man heimlich für nicht erziehbar.

Archäologie benennt das Auftreten erster menschlicher Werkzeuge auf Inseln als zeitgleich mit Artensterben. Vorgeschichtliche Ausrottungen im Tierreich geschahen selten durch Klimawandel, meistens durch Menschen, jene heute unregulierbaren, aufgeklärten Humanwesen, die keinen Spaß verstehen, da sie als Lebewesen ohne biologischen Rückwärtsgang sind. Humanisten übersehen am Neuzeit-Beginn die Landsknechte.

Karl Dannenhauer, Weilheim

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