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Zum Artikel „Strafbefehle wegen Misshandlung von Affen erlassen“ vom 21. Februar

Als im Mai 2014 die Undercover-Aufnahmen der „Soko Tierschutz“ von schwer leidenden Affen aus dem Tübinger Max-Planck-Institut für Kybernetik (MPI) von „stern TV“ ausgestrahlt wurden, war die Öffentlichkeit schockiert. Zahlreiche Tierschutzorganisationen erstatteten Strafanzeige. Die verantwortlichen Affenhirnforscher, Professor Nikos Logothetis und seine Mitarbeiter, zeigten indes keinerlei Schuldbewusstsein. Im Gegenteil: Damals stellten sich die Wissenschaftler als unschuldige Opfer einer schmutzigen Verleumdungskampagne dar und behaupteten, die Aufnahmen seien nicht authentisch, falsch zusammengeschnitten und mit irreführenden Texten unterlegt. Auch seien sie unzähligen Angriffen und bösartigen Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen seitens der Tierschützer ausgesetzt. Mit großer Resonanz in den Medien: Über Monate hinweg stellten selbst seriöse Blätter wie die Zeit oder der Spiegel die gesamte Tierschutzszene unter Generalverdacht.

Die Manipulationsvorwürfe wurden bereits im Mai 2015 durch die Redakteure von „stern TV“ vollständig widerlegt. Auf ihre Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft Tübingen außerdem schriftlich mit, dass keine Gewaltdelikte von Tierschützern gegen Mitarbeiter des MPI bekannt seien. Dagegen sei aber „eine verantwortliche Person der Geschäftsleitung des MPI, die eine Körperverletzung durch Tierschützer angezeigt hatte, im Jahr 2014 wegen Vortäuschens einer Straftat“ rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Und heute? Heute bestreiten die Beschuldigten weiterhin alle Vorwürfe. Und Logothetis verklärt sich gar zum Lebensretter der Tiere, deren bemitleidenswerten Zustand er selbst verursacht hat!

Marie-Luise Strewe, Lenningen

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