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Lieber fundiert als plakativ

Bastion Beate Kallenbach-Herbert erzählt aus der 41-jährigen Geschichte des Freiburger Öko-Instituts. In den Protesten gegen Atomkraft liegen die Anfänge. Von Günter Kahlert

Es ist wirklich eine lange Geschichte. Die vielen Expertisen, Entwicklungen, und Veröffentlichungen aus 41 Jahren Öko-Institut in Freiburg füllen Bände. Beate Kallenbach-Herbert packt das in der Bastion in eine spannende Zeitreise durch die Umweltpolititk in Deutschland. Die diplomierte Maschinenbau-Ingenieurin ist seit 20 Jahren beim Öko-Institut, seit 2009 leitet sie den Bereich „Nukleartechnik und Anlagensicherheit“ in der Außenstelle Darmstadt.

Die Initialzündung zur Gründung des Instituts legte der Protest gegen den Bau des Kernkraftwerkes Whyl am Kaiserstuhl. Seit der Ankündigung 1973 hatten sich immer mehr Bürger und Umweltinitiativen dagegen gewehrt, es gab Prozesse durch mehrere Instanzen der Verwaltungsgerichte. In diesem Kontext taten sich atomkritische Wissenschaftler zusammen, um den Atomkraftgegnern vor den Gerichten fachlich fundierte Expertisen zu liefern. Diverse Gutachten waren bis dahin allesamt von der Industrie in Auftrag gegeben worden.

Daraus entstand 1977 die Gründungsmannschaft des Instituts. Die Wertschätzung der Arbeit gab es in den ersten Jahren keineswegs. „Öko-Spinner“ war noch einer der harmloseren Bezeichnungen, die ihnen aus Politik, Wirtschaft und Medien entgegenschlugen. Die Arbeit war dennoch erfolgreich. Die Landesregierung unter Lothar Späth entschied 1983, dass der Bau vorläufig nicht notwendig sei. Dabei blieb es, obwohl das Bundesverwaltungsgericht den Bau 1985 letztlich genehmigte. Der Atomunfall von Tschernobyl 1986 hat den Blick auf Atomkraft dann nachhaltig verändert. Im Atomgesetz 2002 wurde festgelegt, dass es in Deutschland keine neuen Atomkraftwerke geben wird.

Inzwischen ist das Ansehen des Öko-Instituts in Politik und Wirtschaft enorm gewachsen. Was hat die Entstehung der „Grünen“ 1980 dazu beigetragen? „Ich würde es jetzt nicht an den Grünen als Partei festmachen“, meint Beate Kallenbach-Herbert, „aber an der Umweltbewegung, an Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Das sind Themen, die gesellschaftlich immer wichtiger wurden.“ Das Team des Öko-Instituts ist von einstmals neun Mitgliedern auf aktuell 170 angewachsen. Das Thema Atom ist noch zu zehn Prozent vertreten und da geht es vor allem um den Rückbau der Meiler und die Frage von Endlagern. „Die anderen Themen Energiewende, Klimaschutz, Ressourcen und Mobilität haben in der Gesellschaft so viel ,drive‘ entwickelt, dass wir uns verstärkt darum kümmern“, erläutert sie. Es ist ja fast schon eine Fußnote der Geschichte: der Begriff „Energiewende“, heute jedem bekannt, wurde bereits 1980 durch eine Veröffentlichung des Öko-Instituts in die Welt gesetzt.

Im Gegensatz zu manchen Umweltverbänden sind spektakuläre Schlagzeilen nicht das Ziel des Öko-Instituts. „Wir sehen uns als wissenschaftliches Institut, und deshalb wollen wir lieber fundiert berichten, als Dinge plakativ zuzuspitzen“, stellt Beate Kallenbach-Herbert klar. Die Ergebnisse der Untersuchungen des Öko-Instituts passen nach wie vor vielen nicht ins Konzept. „Wir sind sicher oft unbequem, denn die Themen, die wir heute haben, lassen sich nicht so lösen, dass immer alle glücklich sind.“

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