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Linsengericht für den Hungerberg

Zu aktuellen Berichten über den Hungerberg im Teckboten.

Welche Motive und Ängste sind da, dass man um wirtschaftlichen Wohlstand fürchtet, wenn nicht zig Hektar Ackerland Gewerbegebiet werden? Wie lässig geht man mit einem regionalen Grünzug um, und wie gering werden die Umweltauswirkungen eingeschätzt? Wie wenig Wertschätzung wird der unbesiedelten Kulturlandschaft mit wertigen Ackerflächen beigemessen? Wie nebensächlich sind Naherholung und Landschaft? Wie schwach wird Ökologie bewertet, wie stark Ökonomie?

Solche Fragen stellen sich mir bei Planungen für den Hungerberg im Blick auf die 42 Hektar südlich der Autobahn. Die Ausmaße und die exponierte Lage erschrecken mich. Weder bin ich Ökofreak noch Wirtschaftsfeind, aber einer, der Lebensqualität nicht vorrangig an der Ökonomie festmacht.

Auch ich bin für Wachstum, aber bitte maßvoll mit intelligenter Flächennutzung, das kann in Gewerbegebieten häufig besser gemacht werden. Wachstum ja, aber nicht mit der Folge zusätzlicher Arbeitsplätze, die neue Wohnungsknappheit, weiteren Infrastrukturbedarf und mehr Flächenfraß nach sich ziehen. Wir nähern uns im Raum Kirchheim einem Ruhrgebiet mit immer mehr Siedlungsfläche und Verkehr, immer mehr Bevölkerungsdichte, immer mehr Emissionen zulasten der Lebensqualität. Da nützt die Schwäbische Alb wenig - weil sie Kulisse ist, das Leben spielt sich vor der Kulisse ab.

Sinn macht die Verlängerung der Einsteinstraße über die Autobahn zur Anbindung an die B 465, damit kann viel Verkehr aus Wohngebieten herausgehalten werden. Und wenn die Bohnau südlich der Tannenbergstraße bis zur Autobahn mit 21 Hektar für eine nachhaltige Entwicklung erschlossen wird, dann kann ich das mittragen. Der Hungerberg südlich der Autobahn aber sollte tabu sein, es gibt keine Notwendigkeit für die Erschließung. Sie käme einem Linsengericht gleich - auch bei der tollsten Zukunftstechnologie.

Manfred Wolf, Kirchheim

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