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„Mallorca-Reisende“ parken Wohngebiete zu

Verkehr In Stuttgart-Plieningen finden Anwohner kaum mehr Parkplätze. Schuld daran sind Messe und Flughafen.

Filder. Es ist ein Nachmittag zu einer Uhrzeit, zu der ein Großteil der Plieninger noch bei der Arbeit sein dürfte. Trotzdem ist rund um die Köpfertstraße, die Fraubronn- straße und den Hermann-Mögle-Weg alles zugeparkt: Einer hat sein Auto sogar auf dem Grünstreifen vor seinem Haus abgestellt. Bis zum Abend wird es noch voller werden, wissen die Anwohner. Sie reichen Fotos herum, die zeigen, wie Autos teilweise wider jede Regel abgestellt werden. Und sie alle erzählen von Erfahrungen, die sie mit denjenigen gemacht haben, die ihre Fahrzeuge bei ihnen parken: Messegäste, Messe- und Flughafenmitarbeiter und die sogenannten „Mallorca-Parker“, also Flugpassagiere.

Die Wildparkerei hat einen Grund: Vom südlichsten Rand Plieningens ist es nicht weit bis zum Flughafen und zur Messe. Die Busse der Linie 122 halten zum Beispiel an der Haltestelle „Im Köpfert“. Von dort sind es nur sechs Minuten Fahrt, das Busticket kostet 1,40 Euro. Wer in Plieningen sein Auto abstellt und von dort mit dem Bus fährt, kommt deutlich billiger weg, als wenn er im Flughafen-Parkhaus parkt. Auch mit dem Taxi von Plieningen zum Flughafen zahlt man nur etwas mehr als zehn Euro. Und komfortabler ist es sowieso, als den ganzen Weg mit Bahn und Bus zu fahren.

„Die typische Haltung bei uns geht so“, sagt die Anwohnerin Bea Kraus und macht vor, wie die Urlauber in der einen Hand ihr Smartphone halten und mit der anderen Hand ihren Koffer hinter sich herziehen. Sie und ihre Nachbarn teilen den Eindruck, dass die Zahl der Menschen, die nicht in Plieningen wohnen, aber dort parken, im vergangenen Jahr enorm zugelegt habe. Bisher haben die Anwohner keine Handhabe, solange die Auswärtigen regelkonform parken. Plieningen hat kein Parkraummanagement, das heißt: Jeder darf kostenfrei dort parken, es sei denn Schilder oder Straßenmarkierungen zeigen das Gegenteil an. Für die Anwohner ist das ärgerlich. Peter Krempler etwa kommt meist erst spätnachts von der Arbeit nach Hause. Einen regulären Parkplatz findet er fast nie: „Meist parke ich irgendwo, wo ich es eigentlich nicht darf. Ich habe keine andere Chance.“

Zugleich gehen die Anwohner umso strikter gegen die Auswärtigen vor, die die Regeln nicht beachten: Wenn wieder mal Menschen auf Grünstreifen parken, auf Gehwegen, in Kurven oder so, dass große Fahrzeuge nicht mehr durchkommen, rufen sie bei der Polizei, dem Ordnungsamt oder direkt beim Abschleppdienst an. Generell haben die Plieninger die Erfahrung gemacht, dass ihr Leid niemand so recht zu interessieren scheint.

Keine Besserung in Sicht

Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Martin Schairer habe ihnen versprochen, dass die Kontrollen verstärkt werden. „Davon merken wir wenig“, sagt Hero Marggrander. Das Problem könnte noch weiter wachsen: Voraussichtlich zum Wintersemester 2019/20 soll die Uni Hohenheim ein Parkraummanagement bekommen. Da aber nicht alle Studierenden, Dozenten und Mitarbeiter der Uni für ihr geparktes Auto bezahlen wollen, werden diese vermutlich etwas weiter nach Plieningen und Birkach ausweichen. Weiteres Ungemach droht zudem, wenn die Buslinie 65 bald von Plieningen aus zum Flughafen fährt.

Die Anwohner wünschen sich, dass Plieningen ein Parkraummanagement bekommt, so wie es in der Innenstadt und in Bad Cannstatt die Regel ist. Doch selbst wenn dies genehmigt werden sollte, wird es noch dauern, bis es in Kraft tritt. Die Stadt will nicht tätig werden, bevor die Universität Hohenheim ihr Parkkonzept umgesetzt hat. Dazu kommt, dass im städtischen Haushalt noch kein Geld für eine entsprechende Prüfung vorgesehen ist.Julia Bosch

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