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Malochen bis zum Anschlag

Politik Die IG Bau beklagt eine zu hohe Arbeitsbelas­tung im Baugewerbe und fordert eine Reform des Rentensystems.

Region. Bauarbeiter leisteten nach Ansicht der IG Bau ein „Spitzen-Arbeitspensum“: Pro Kopf arbeiteten Baubeschäftigte im Landkreis Esslingen 124 Stunden und damit 9,3 Prozent mehr als Beschäftigte im Kreis quer durch alle Berufe durchschnittlich. Die IG Bau Stuttgart beruft sich dabei auf den Arbeitsmarkt-Monitor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. „Der Bau gehört demnach zu den Branchen mit einem Spitzenpensum bei der Arbeitszeit“, sagt Mike Paul. Der Bezirksvorsitzende der IG Bau Stuttgart geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitsstunden, die Bauarbeiter leisten, aktuell eher sogar noch zugenommen hat: „In der Pandemie hat es einen enormen Auftragsstau im Baugewerbe gegeben. Für viele Baubeschäftigte sind Überstunden ohnehin an der Tagesordnung.“

Schaffen es nicht bis zur Rente

Der Arbeitsmarkt-Monitor des WSI liefere auch den Vergleich mit dem öffentlichen Dienst, dem Erziehungsbereich und dem Gesundheitssektor: Demnach würden auf dem Bau im Landkreis Esslingen sogar 237 Stunden pro Kopf im Jahr mehr gearbeitet als in diesen Branchen. „Das liegt vor allem daran, dass auf dem Bau gilt: entweder ganz oder gar nicht. Vollzeit plus Überstunden - das ist die Regel: Den ‚Halbtagsmaurer‘ gibt es nicht. Bei oft langen Anfahrten zur Baustelle von 60 Kilometern und mehr funktioniert kein Teilzeitmodell“, so Mike Paul.

Das bedeute, dass Baubeschäftigte „enorm lange und enorm hart am Stück arbeiten“. Die körperliche Belastung im Laufe eines Berufslebens sei auf dem Bau gewaltig: „Kaum ein Dachdecker schafft es bis zur Rente. Sie sind körperlich früher am Ende und müssen dann zum Teil starke Abstriche bei der Rente in Kauf nehmen“, sagt Paul. Zur geringeren Rente komme dann auch noch eine geringere Lebenserwartung. So lebe ein Beamter statistisch 5,6 Jahre länger als ein Arbeiter. Das gehe aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. „Hart arbeiten und dann am Ende für eine kürzere Zeit weniger Rente bekommen - damit muss Schluss sein“, fordert Mike Paul.

Die neue Bundesregierung müsse deshalb die Rente auf neue Füße stellen: „Wir müssen Altersarmut verhindern. Und auch eine geringere Lebenserwartung muss ausgeglichen werden“, fordert der Bundesvorsitzende der IG Bau, Robert Feiger. Er spricht sich für eine „grundlegende Rentenreform“ aus: „Notwendig ist eine Rentenkasse, in die alle einzahlen - Arbeiter, Angestellte, Selbstständige, Beamte, Parlamentarier und Minister: der Polier genauso wie die Professorin und der Politiker.“ pm

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