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Mehr als nur ein Stück Metall

Neubaustrecke Für die Verantwortlichen ist es ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Inbetriebnahme: Der erste Oberleitungsmast des Bahnprojekts Stuttgart 21 wurde vor dem Tunnel in Denkendorf aufgestellt. Von Amelie Pyta

Das Bauprojekt Stuttgart 21 nimmt weiter Gestalt an: Ein Kran richtet auf der Baustelle vor dem Tunnel in Denkendorf den ersten
Das Bauprojekt Stuttgart 21 nimmt weiter Gestalt an: Ein Kran richtet auf der Baustelle vor dem Tunnel in Denkendorf den ersten Oberleitungsmast auf. Foto: Roberto Bulgrin

Für die einen ist es nur ein Stück Metall, das auf der S  21-Baustelle vor dem Tunnel in Denkendorf aufgestellt wurde. Für die Mitarbeiter und Verantwortlichen von Stuttgart 21 ist es ein wichtiger Schritt in dem umstrittenen milliardenschweren Bauprojekt. Der Oberleitungsmast, der nun aufgestellt wurde, ist der erste seiner Art in der umfangreichen Baumaßnahme. „Das ist einer dieser Tage, auf die alle, die an einem Großprojekt arbeiten, hinfiebern. Ein neuer Abschnitt beginnt, es geht weiter unter Volldampf in Richtung Inbetriebnahme“, sagte Michael Pradel, der Geschäftsführer der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH.

Der Rohbau der neuen Eisenbahnstrecke ist in diesem Bereich abgeschlossen. Das Haus stehe, jetzt würden die Möbel kommen, so beschreibt Pradel die nächste Etappe. Nun werden die übrigen Masten aufgestellt - das sind ganze 400 Stück in dem Bereich zwischen dem Flughafen und Wendlingen. Für das komplette Vorhaben werden rund 1 200 Oberleitungsmasten errichtet. 2022 wird die Oberleitung an den Masten montiert. Ab September beginne bereits der Bau der festen Fahrbahn, und Ende dieses Jahres werden die ersten Zugschienen verlegt, sagt Ralf Hickethier, der Geschäftsführer der Firma SPL Powerlines Germany GmbH, die für den Bau der Masten verantwortlich ist. Künftig werden auf den Fildern Züge mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern fahren.

Hickethier ist ein wenig stolz darauf, dass seine Firma diesen wichtigen Auftrag an Land ziehen konnte. Der Mast sei viel mehr als nur ein Stück Stahl. Er sei ein Baustein für die Strategie der klimaneutralen Schiene, sagt der Geschäftsführer. Die Bundesregierung plant, in den kommenden fünf Jahren 70 Prozent der Strecken im Eisenbahnnetz mit elektrischen Oberleitungen auszurüs­ten. Denn diese sind klimafreundlich, und auf den Strecken können die Züge schneller beschleunigen und sind zügiger unterwegs. Daher können auf elektrifizierten Strecken auch mehr Bahnen fahren.

Corona hat auf der Baustelle keine Schwierigkeiten bereitet. Es seien zwar einzelne Fälle von Infektionen vorgekommen, berichtet Ralf Hickethier, aber insgesamt habe alles gut geklappt. Man habe viel getestet und hoffe nun, durch die Betriebsärzte das Impfen zu beschleunigen.

Eine neue Verkehrsdrehscheibe

Als ein Kran den grünen Mast aufrichtet, fliegt ein Flugzeug über die Baustelle. Es veranschau­licht, was Pradel zuvor gesagt hat: Auf den Fildern entstehe mit dem Zug, der S-Bahn, der Stadtbahn, dem Flughafen und der Autobahn eine neue Verkehrsdrehscheibe, von der die Menschen hier profitieren werden. Nur das Schiff fehle noch. „Wenn die Schnellstrecke zwischen Stuttgart und Ulm fertig ist, ist das Auto keine Konkurrenz mehr für den Zug“, sagt Pradel.

Doch nicht nur bei dieser Strecke lohne sich die Fahrt mit der Bahn. Für die Menschen würden sich neue Möglichkeiten im Fern- und Nahverkehr auftun, sagt der Bauingenieur. Bei Stutt­gart 21 setzt die Bahn auf die neue Signaltechnik ETCS. Mit dieser Technik spare man sich nicht nur die Signalanlagen, sondern steigere auch die Leistung. Es sei ein Meilenstein für den geplanten Deutschland-Takt. Er sieht vor, dass bis 2030 die Züge zwischen den größten Städten im Halbstundentakt fahren.

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