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Mehr als nur eine Wirtschaft

Gastronomie Für die Vereine haben ihre Gaststätten zum Teil existenzielle Bedeutung. Viele haben den Wirten deshalb durch die Pandemie geholfen – etwa mit vorübergehendem Verzicht auf Pacht. Von Simon Scherrenbacher

Wieder geöffnet zur Freude der Gäste und der Betreiber: die Vereinsgaststätte des TRC Schlierbach. Foto: Jean-Luc Jacques
Wieder geöffnet zur Freude der Gäste und der Betreiber: die Vereinsgaststätte des TRC Schlierbach. Foto: Jean-Luc Jacques

Eine Vereinsgaststätte war auch schon vor der Corona-Pandemie keine Selbstverständlichkeit, erst recht nicht im Lockdown. „Für manche ist die Vereinsgaststätte fast wichtiger als der Sport“, lacht Gerhard Ueding, Sportvorstand des TSV Bad Boll. Für seinen Verein hat das „Ristorante & Pizzeria Da Pepe“ durchaus existenzielle Bedeutung: Die Pachteinnahmen fließen nämlich in die 80 000 Euro teure Dachsanierung vor einigen Jahren, die noch heute abgezahlt werden will. „Wenn sie längere Zeit ausfallen, haben wir ein großes Problem“, verdeutlicht Ueding. Um das Überleben der Gaststätte zu sichern, verzichtete der Verein in der ersten Phase auf die Pachteinnahmen. Danach konnte Betreiber „Bebè“, der auch einen Abhol- und Lieferdienst anbot, auf Überbrückungshilfen zurückgreifen.

„Wir sind froh, dass wir ihn haben“, betont der Sportvorstand. Die Besucher würden die Terrasse der Pizzeria hervorragend annehmen. Ein „bisschen Bauchweh“ hat Ueding jedoch, wenn er an den Herbst denkt: „Falls da noch mal ein Lockdown käme.“

Beim TSGV Albershausen hatte erst Anfang 2020 ein neuer Pächter begonnen - und schlitterte mitten hinein in die Corona-Pandemie. „Er konnte sich nicht wirklich etablieren“, bedauert Vereinsvorsitzende Christine Sahm. Dabei sei die Vereinsgaststätte ein wichtiger Treffpunkt nicht nur für Mitglieder, sondern auch für Albershausener Bürger.

Aber vor allem nach dem Training gehöre ein Besuch dazu - nicht nur zur Vorbereitung des nächsten Spiels, sondern auch, um gemeinsam zu lachen und vielleicht die eine oder ­andere Meinungsverschiedenheit bei der sportlichen Begegnung zuvor wieder zu begraben: „Wir sind ja kein Fitness-Studio, wir pflegen die Gemeinschaft.“ Umso glücklicher ist Sahm, dass sich nun ein neuer Pächter gefunden hat. Der junge Mann bringe viel Motivation mit: Innerhalb von vier Wochen renovierte er die Gaststätte, um pünktlich zum Juli starten zu können. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme auch, so die Vereinsvorsitzende: „Er bietet auch etwas für den kleinen Geldbeutel.“

Für den Fall, dass die Umsätze in einem weiteren Lockdown ausbleiben sollten, signalisiert Chris­tine Sahm schon einmal Entgegenkommen: „Uns ist wichtig, dass er überlebt.“ Der Verein verlangt zu Beginn auch noch nicht die volle Pacht. Die Einnahmen seien zwar im Haushalt eingeplant, doch glücklicherweise hat der TSGV keine Schulden abzubezahlen.

Auch die Vereinsgaststätte des TRC Schlierbach hat wieder geöffnet. „Wir sind froh, dass unsere Gäste, die uns auch während des Lockdowns unterstützt haben, jetzt wieder kommen können“, freut sich Karlheinz Leibner, der zusammen mit Frau und Tochter das Lokal betreibt. Er hofft auf gutes Wetter, damit sich möglichst alles auf der großen Terrasse abspielen kann, die 82 Gästen Platz bietet. Den Abhol-Service will er weiter aufrechterhalten.

Die Vereinsgaststätte „La Sicilia“ des TSGV Hattenhofen empfängt ebenfalls wieder Gäste. Der Verein helfe, wo es geht, lässt Vorsitzender Ingolf Voigt wissen: „So gibt es auf der Terrasse bald eine Markise, sodass auch bei sich wieder verschärfenden Corona-Auflagen ausreichend Außenplätze wettergeschützt zur Verfügung stehen.“

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