Unzugeordnete Artikel

Minister stoppt geplantes Werbeverbot

Sponsoring Jens Spahn legt die Verordnung, die das Engagement von Krankenkassen im Spitzensport einschränken sollte, zurück in die Schublade. Von Bernd Köble

Wenn die Knights jubeln, jubelt die Barmer mit: Deutschlands zweitgrößte Krankenkasse ist Namensgeber der 2. Basketball-Bundesli
Wenn die Knights jubeln, jubelt die Barmer mit: Deutschlands zweitgrößte Krankenkasse ist Namensgeber der 2. Basketball-Bundesliga.Archivfoto: Tanja Spindler

Die Pläne hatten für Diskussionsstoff gesorgt, weil sie viele Sportvereine treffen. Ein mögliches Verbot von Trikot- und Bandenwerbung für gesetzliche Krankenkassen im Spitzensport ist vom Tisch - vorerst. Gesundheitsminister Jens Spahn hat die geplante Verordnung gestern überraschend gestoppt. Man wolle in der jetzigen Situation, in der sich viele Unternehmen coronabedingt aus dem Sponsoring zurückziehen, kein neues Fass aufmachen, begründete der Kirchheimer CDU-Gesundheitsexperte Michael Hennrich nach den Gesprächen gestern den Schritt.

Erledigt ist das Thema dadurch aber nicht. „Es bleibt eine Dauerdiskussion“, sagt Hennrich. Es gelte nun in Ruhe zu überlegen, wie Werbegelder an gesundheitliche Präventionsangebote gekoppelt werden könnten und wie man die Zahlungen beschränkt, meint der Berliner Abgeordnete aus Kirchheim. Spahns Vorschlag bisher: Maximal 0,15 Prozent vom gesamten Leistungsvolumen der Kassen.

Den Stein ins Rollen brachte die AOK, die mit 26,3 Millionen Versicherten mit großem Abstand der Marktführer in Deutschland ist. Im aktuellsten Berichtsjahr 2019 erbrachte die AOK bundesweit knapp 79 Milliarden Euro an Leistungen. Die Kasse unterstützt nicht nur den Breitensport auf lokaler Ebene. Das Logo taucht auch in der Fußball-Bundesliga auf. Die AOK ist zudem exklusiver Werbepartner des Deutschen Handballbundes und seiner Nationalmannschaften. Wie weit geht das Engagement einer gesetzlichen Kasse, die über Beiträge ihren Mitgliedern verpflichtet ist? Zu weit, meinen viele. „Diese Zahlungen sollten prozentual klar festgeschrieben werden“, erklärt Michael Hennrich, worum es geht. Das gelte im Übrigen nicht nur für den Sport, sondern auch für den Kulturbetrieb.

Junge Zielgruppe im Visier

Davon betroffen wäre auch die Barmer als Nummer zwei in Deutschland. Die vergleichsweise noch junge Kasse mit rund neun Millionen Versicherten ging 2021 erst ins elfte Geschäftsjahr. Über finanzstarke Werbepartnerschaften steht im offiziellen Aushang der großen Zwei fast nichts zu lesen. Doch auch die Barmer ist im bezahlten Sport in exponierter Lage zu finden: als Namenssponsor der 2. Basketball-Bundesliga. Wer als Fan der Kirchheim Knights in der Halle, oder so wie zurzeit zu Hause vor dem Livestream, sitzt, kommt am Intro mit dem grünen Schriftzug nicht vorbei. „Basketball vereint wie keine zweite Mannschaftssportart eine junge Zielgruppe mit hoher Affinität zu Digitalisierung und Lifestyle“, heißt es in der Begründung des Unternehmens für die einträgliche Partnerschaft. Das Engagement der Barmer in der Sportart Basketball beruhe auf der Erkenntnis, dass sich immer mehr junge Menschen für diese angesagte Sportart begeistern.

„Ein solches Verbot träfe die gesamte Sportbranche und natürlich auch uns als Liga“, sagt Chris­tian Krings, der Geschäftsführer der 2. Basketball-Bundesliga in Köln. Diese Partnerschaften förderten in großen Teilen auch den Sport mit Kindern und Jugendlichen in den Vereinen. Wie groß die Summen genau sind, die fließen, darüber machen weder die Unternehmen noch ihre Partner detaillierte Angaben. Klar ist: Sie bewegen sich im Leistungsspektrum der Krankenkassen noch immer im unteren Dezimalbereich, aber deutlich über dem, was das Ministerium fordert.

Bei der BKK Scheufelen liegen die Ausgaben für Sponsoring im unteren sechsstelligen Bereich, wie deren Vorstandschef Bernd Kratschmer vorrechnet. Die regio­nale Betriebskrankenkasse mit rund 86 000 Versicherten gibt es seit 132 Jahren. Seit 17 Jahren betreibt auch die BKK Sportsponsoring, ziert das Logo Mannschaftstrikots und Ausrüstung in den Vereinen. Die Kasse geht schon allein aufgrund ihrer Größe und Regionalität einen anderen Weg. „Bei uns fließt kaum Geld“, sagt Bernd Kratschmer. „80 Prozent unserer Unterstützung sind Sachleistungen.“ Das reicht vom Handballtrikot bis zur Schirmmütze für Schulklassen. Im gleichen Maße wie sich die Sportverbände aus der Förderung zurückgezogen hätten, sagt Kratschmer, habe man den Vereinen Unterstützung anbieten wollen. Erfolgreiche Einzelsportler, die das Unternehmen fördert, sind gleichzeitig Partner bei Präventionsprojekten. Spitzensport betreiben freilich auch sie. Ebenso wie die Zweitliga-Handballerinnen der TG Nürtingen, die den Schriftzug der BKK am Revers tragen. Wo also verläuft die Grenze des Akzeptablen im Spitzensport?

Das Thema Prävention bleibt ein Kernthema. „Was immer in einem künftigen Entwurf stehen mag, diese Forderung sollte nicht angetastet werden“, sagt Bernd Kratschmer. Das sieht auch der Gesundheitspolitiker Michael Hennrich so. „Die Kleinen sind nicht das Problem“, sagt er. „Dass Sport in erster Linie der Gesundheitsprävention dienen soll, war immer Ausgangspunkt der Diskussion.“

Anzeige