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Mit Kaugummi Corona erkennen

Schnelltest Das Biotech-Start-Up 3a diagnostics in Frickenhausen arbeitet an der Früherkennung von Covid-19-Infektionen.

FoTo: Henrik Sauer
FoTo: Henrik Sauer

Frickenhausen. Den Nasenabstrich für den Corona-Schnelltest empfinden viele als unangenehm. Bei der Frickenhäuser Firma 3a diagnostics arbeitet man daran, den Erreger mittels eines Kaugummis zu diagnostizieren. Ist das Virus vorhanden, wird im Mund ein bitterer Geschmack erzeugt. Auch einen schnellen PCR-Test hat das Unternehmen entwickelt.

Mit der Idee, die Zunge des Menschen als Sensor einzusetzen, um Informationen über den Gesundheitszustand zu bekommen, ist das junge Biotech-Unternehmen 2019 an den Start gegangen. Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Heinrich Jehle und sein Team arbeiten dabei an Diagnostika für verschiedene Krankheiten. Den Kaugummi muss man sich als dünnes Plättchen vorstellen, das auf die Zunge gelegt wird und sich dort auflöst. Sind bestimmte Enzyme im Speichel vorhanden, entsteht als Warnsignal ein bitterer Geschmack.

Das Produkt kann also helfen, bestimmte Krankheiten frühzeitig zu erkennen, ohne dass dafür ein Abstrich oder eine Blutentnahme gemacht werden muss. Schlägt der Indikator an, dann heißt es freilich, zur exakten Diagnose zum Arzt zu gehen. Als erste Anwendung entwickelte das Unternehmen einen Test zum Erkennen von Entzündungen durch Zahnimplantate im Mundraum. Nun ist man bei 3a diagnostics dabei, einen solchen diagnostischen Kaugummi als Test auf eine Corona-Infektion zu entwickeln. Im Februar 2020, als sich die Problematik abzeichnete, habe man begonnen, sich mit dem Thema zu befassen, berichtet Heinrich Jehle. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gab es eine Förderung. Bis in etwa einem Jahr denke man, etwas vorweisen zu können, sagt Jehle: „Wir haben gute Forschungsergebnisse.“

Parallel dazu wurde auch ein PCR-basierter Covid-19-Schnelltest entwickelt. Für diesen hat das Unternehmen seit Mitte März die Zulassung. Der Test liefert nach 25 Minuten ein Ergebnis, berichtet Jehle. Damit ziele man in eine Lücke zwischen Schnelltest und Hochdurchsatz-PCR-Test: „Unsere Lösung ist schnell und dezentral einsetzbar.“ Sie eigne sich zum Beispiel für Altersheime, Schulen oder Firmen.

Schwerpunkt bei 3a diagnostics sind aber nach wie vor die Kaugummis als medizinische Indikatoren. Und hier steht das erste Produkt, der Entzündungsindikator für den Mundraum, inzwischen ebenfalls kurz vor der Zulassung. „Wir liefern ein Werkzeug zur niederschwelligen Eigenüberwachung“, erläutert Heinrich Jehle den Ansatz des Unternehmens. Im Prinzip lasse sich die Technologie auf alle Erreger anwenden, die im Speichel vorhanden sind: „Das können viele Krankheiten sein.“ Aktuell arbeite man auch an einem Sensor für Grippeviren. Ebenso an einer Anwendung bei Halsschmerzen. Je nachdem, ob hierfür Bakterien oder Viren ursächlich sind, lasse sich mit der Früherkennungsmethode ein unnötiger Einsatz von Antibiotika vermeiden. „Wenn wir das alles auf die Straße bringen, dann sind wir die nächsten Jahre gut beschäftigt.“Henrik Sauer

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