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Mitreißende Musizierfreude trifft auf flinke Finger

Musik Das Ensemble „Spark“ brilliert mit einer Hommage an Bach, Berio und die Beatles.

Zwei Blöckflöten, Viola, Violoncello und Klavier bilden das Quintett „Spark“. Foto: Hans-Günter Driess
Zwei Blöckflöten, Viola, Violoncello und Klavier bilden das Quintett „Spark“. Foto: Hans-Günter Driess

Kirchheim. Das international renommierte Ensemble „Spark“ entfacht schon nach wenigen Takten Begeisterungsstürme in der Kirchheimer Stadthalle. Die Echo-Klassik-Preisträger sprengen Grenzen zwischen den Genres und lassen drei Ikonen der Musik im Cross- over-Stil miteinander verschmelzen: Johann Sebastian Bach als Urvater der Klassik, Luciano Berio als Vertreter der Avantgarde des 20. Jahrhunderts und die Beatles als Titanen der Popmusik.

Die Künstler sind großartige Interpreten, allesamt Preisträger bei großen internationalen Wettbewerben, und schenken dem Kirchheimer Publikum einen Konzert- abend der Extraklasse. Als ruhiger Auftakt erklingt Johann Sebas- tian Bachs Choral „Zion hört die Wächter singen“ aus der Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, dessen Arrangement sich weitgehend ans Original hält, durch die ungewohnte Instrumentation aber reizvoll und neu wirkt. Daniel Koschitzki und Andrea Ritter spielen ihre Blockflöten virtuos, expressiv, furios. So hat man Blockflöten wohl selten gehört. In Bachs Bourée und Badinerie aus der h-Moll-Suite glänzen die beiden durch brillante Fingerfertigkeit. „Eigentlich ist es gar nicht möglich, so schnell zu spielen“, kommentiert Koschitzki, der mit lockerer Moderation Informationen zu den Werken gibt.

Im „Triple B“ gelingt den Künstlern eine Vermischung von Berios Klangsprache mit dem Beatles-Hit „Hey Jude“. Stücke von Paul McCartney und John Lennon in klassischen Arrangements wie „Michelle“ und „Eleanor Rigby“ sind Offenbarung und Hörgenuss zugleich. „Honey Pie“ wirkt amüsant durch die typische Stride-Pianotechnik von Christian Fritz, die der Ragtime-Musik ähnelt. In „Norwegian Wood“, „Help“ und „Lucy in the Sky With Diamonds“ erweisen sich die Musiker als wahre Rocker.

Das Experimentieren mit klanglichen Möglichkeiten der Instrumente ist typisch für den Avantgarde-Komponisten Berio. In „Sequenza“ für Violoncello schlägt Victor Plumetazz auf die Saiten, klopft in wechselnden Rhythmen auf den Korpus seines Instruments und verzaubert mit exotischen Tonfolgen. Andrea Ritter demonstriert Berios postmoderne Klänge auf ihrer Altflöte mit Luftgeräuschen und gurrenden Lauten. Der Geiger Stefan Balazsovics erstaunt das Publikum in einer Komposition von Berio mit technisch schwierigen Passagen. Mit seiner von Bach inspirierten Eigenkomposition „Neo Largo“ spielt Pianist Christian Fritz mit samtweichem Anschlag. Lang anhaltender Applaus und zwei Zugaben beenden den außergewöhnlichen Konzert- abend.Hans-Günter Driess

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