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Mut zum eigenen Verstand

Zum Artikel „Besser mal ,Nachdenken‘“ vom 1. März und den darauffolgenden Leserbriefen

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen . . .“ Wenn ich nicht selbst an den bisherigen Veranstaltungen des Forums „Nachdenken in der Bastion“ teilgenommen hätte, würde ich aufgrund der Leserbriefe vermuten: Mysteriöse Verschwörer treffen sich dort unter dem „Deckmantel“ des „mündigen Staatsbürgers“, tarnen sich mit der „Wahrheit“ und wollen die „Wahrnehmung“ des Bürgers „manipulieren“. Als Teilnehmer habe ich nichts von alldem bemerkt. Es geschah genau das, was Sinn und Zweck des Forums ist: Die Teilnehmer mach(t)en sich - kontrovers und kritisch - Gedanken zu aktuellen politischen Ereignissen.

Für Michael Olpp und andere ist das Anlass, die „Nachdenkenden“ in die Schublade „Gegner unserer offenen demokratischen Zivilgesellschaft“ zu stecken. Wenn er und andere Kritiker persönlich am letzten „Nachdenken“ teilgenommen hätten, dann hätten sie in dem Vortrag von Jakob Augstein eine medienkritische Mahnung von Frank Walter Steinmeier hören können: „Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen.“ So lautete sinngemäß auch das Fazit der Referentin des ersten „Nachdenkens“, Gabriele Kärcher, am Ende ihres Vortrags zur zunehmenden Verschärfung der Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Gehört unser Bundespräsident jetzt auch schon zu den „dunklen Mächten“? Ich kann jedem empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen. Die Beschäftigung mit Verschwörungstheorien und sonstigen Abgründen überlassen wir den Herren Olpp und Co.

Alle, die an Aufklärung interessiert sind, den „Mut haben, sich ihres Verstandes zu bedienen“ (Immanuel Kant) und an einem ernsthaften politischen Dialog interessiert sind, laden wir zum nächsten Forum ein.

Heinrich Brinker, Kirchheim

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