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Nachhaltige Ideen für eine Welt von morgen

Umwelt Auf dem „Markt der Nachhaltigkeit“ informieren Kirchheimer Initiativen, Schulen und Agendagruppen wie nachhaltiges Leben gelingen kann. Auch die Stadtverwaltung ist mit von der Partie. Von Helga Single

Der Marstallgarten an der Kirchheimer Schlossmauer ist gut besucht an diesem sonnigen Spätsommertag. „Eine Paella braucht keine Scampis, Muscheln oder Fleisch, für die Geschmacksexplosion sorgen Fairtrade-Gewürze, Bio-Zucchinis und Auberginen“, erklärt Nadja Schoser, die Inhaberin des Unverpacktladens „eigenhändig“ in Kirchheim. Die Menschen können bei ihr unverpackte Lebensmittel einkaufen. Alle Zutaten sind Bio, je nach Herkunft Fairtrade oder regional.

Heute zaubert sie in der „Fairtrade-Kochshow“ ihre fleisch- und fischlose Paella, die appetitlich in der Pfanne bruzzelt. In ihrer „Zero Vaste“-Kochwerkstatt bietet sie vegane Kochkurse an. Sie verarbeitet kein Fleisch und verweist auf die schlechte CO2- Bilanz bei der Fleischproduktion. Auf dem Markt der Möglichkeiten im Rahmen der Energiewende - und Nachhaltigkeitstage ist sie eine von vielen Anbietern, die mit ihrer Idee eines nachhaltigen und plastikfreien Lebensstils zum Umdenken anregt.

Kirchheimer Initiativen, Schulen, Unternehmen und Agenda­gruppen stellen Konzepte vor, wie nachhaltiges Leben gelingen kann. Sie bieten kreative neue Lösungsansätze an, damit nachfolgenden Generationen eine lebenswerte und gute Zukunft bleibt. Basierend auf den Zielen der Agenda 2030, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden und einen globalen Rahmen für die aktuelle Umwelt- und Entwicklungspolitik bieten, entwerfen die Kirchheimer Gruppen der „lokalen Agenda 2030“ tragfähige Lösungen für ein nachhaltiges Leben in der Stadt Kirchheim.

Dazu gehört „GANZ“, gemeinsam aktiv und nachhaltig in die Zukunft. Hier haben sich Menschen zusammengeschlossen, die mit der „Schenkscheuer“ und einem Gemeinschaftsgarten neue Wege suchen, ökologischer zu leben. Der Gemeinschaftsgarten liegt am Fahrradweg südlich der alten Bahnschienen in Jesingen. Nach einem gemeinschaftlich erstellten Anbauplan baut jeder sein eigenes Gemüse an und wird von der Gemeinschaft mit Rat und Tat unterstützt.

Die „Schenkscheuer“ leistet einen Beitrag zu einem konsumbewussteren Umgang. Hier wechseln gut erhaltene Dinge kostenfrei den Besitzer. Sie finanzieren sich aus Spenden und sind aktuell auf Suche nach neuen Räumlichkeiten. Beim „Foodsharing“ retten rund 250 ehrenamtlichen Helfer Lebensmittel mit abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum von Supermärken, Bäckereien oder Marktständen aus Kirchheim und stellen sie kostenlos in einem Kühlgerät, dem „Fairteiler“ der Allgemeinheit zur Verfügung. Es handle sich um die legale Alternative zum „Containern“.

Vereine wie „Schmeck die Teck“, ein Zusammenschluss von Gastronomen, Landwirten, Brennereien, Bäckern und Metzgereien engagieren sich seit 2001 für den Erhalt der abwechslungsreichen Kulturlandschaft rund um die Teck. Mit einem Einkauf bei regionalen Anbietern könne jeder Einzelne zum Erhalt beitragen.

Eine ganze Menge Ideen stammen aus der Freihof- Realschule. Sie entwickelten nachhaltige Bücherumschläge aus alten Kinobannern. „Die sind unverwüstlich und halten Generationen aus“, sagt Rea Trojosky, Lehrerin an der Freihof- Realschule. Alle Kopien sind ausschließlich auf Umweltpapier gemacht, Baumpflanzaktionen an den Bürgerseen verbessern die Klimabilanz und ein eigener Schulgarten mit Bienenhäuschen mache Natur erlebbar.

Das Ludwig- Uhland-Gymnasium leistet einen Umweltbeitrag mit heimischen Samen von Frühblühern zu einer Kugel Erde geformt. Speziell ausgebildete Klimamentoren in den 8er-Klassen erklären ihren Mitschülerinnen und Mitschülern den verantwortungsbewussten Umgang mit Energie und wie sich ihr Konsumverhalten auf Natur und Umwelt auswirkt.

Das Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) wurde zusammen von der Stadtverwaltung Kirchheim und der lokalen Agendagruppe 2030 „Bildungsinitiative Nachhaltigkeit“ entwickelt und wendet sich an Lehrkräfte mit außerschulischen Bildungsangeboten, in denen die Jugendlichen möglichst früh an diese Themen herangeführt werden. Ein bewusster Umgang mit Essen, die Weiterverwertung von Materialien, energiesparendes und umweltbewusstes Verhalten mache den Jugendlichen ein Besuch des „Weltladen“, des Wasserkraftwerks oder der Abfallwirtschaft erst so richtig klar.

Denn „Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht alle an“, wie Günter Riemer, erster Bürgermeister der Stadt, im Rahmen der Siegerehrung des Stadtradelns betont.

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