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Neue Flugroute birgt Zündstoff

Luftfahrt Pläne der Lärmkommission Stuttgart könnten viele Menschen im Kreis Esslingen entlasten. Ab Sommer nächsten Jahres könnte ein Probebetrieb starten. Von Harald Flößer

Viele Menschen leiden unter dem täglichen Fluglärm. Derzeit wird diskutiert, ob die Maschinen künftig gen Süden starten sollen u
Viele Menschen leiden unter dem täglichen Fluglärm. Derzeit wird diskutiert, ob die Maschinen künftig gen Süden starten sollen und der Lärm somit verlagert wird. Foto: Carsten Riedl

Weniger Fluglärm und gesundheitliche Belastung - für viele Menschen im Kreis Esslingen könnte das mit einer neuen Abflugroute Richtung Süden Wirklichkeit werden. Die Fluggesellschaften Lufthansa und Eurowings hätten von sich aus vorgeschlagen, gezielt Räume mit einer hohen Bevölkerungsdichte zu umfliegen, sagt der Ostfilderner Oberbürgermeister Christof Bolay, der auch Vorsitzender der Fluglärmkommission Stuttgart ist. Erreicht werden könnte dies durch einen engeren Kurvenradius und einen steileren Abflugwinkel über dem Sauhag bei Neuhausen.

In der Fluglärmkommission sei diese Variante in der Juli-Sitzung auf breite Zustimmung gestoßen, so Bolay. Der Vorteil der alternativen Abflugroute: Es wären nur noch halb so viele Menschen betroffen wie bisher. „Vor allem in Plochingen, Oberesslingen, Berkheim, Sirnau, Altbach, Wernau, Wendlingen, Deizisau und Ostfildern-Nellingen wäre deutlich geringerer Fluglärm zu spüren.“ In Denkendorf, Köngen und Nürtingen gäbe es zwar einige Bereiche, die neu belastet würden, allerdings weitere Teile, die wiederum profitieren würden. Verschlechtern würde sich die Situation allerdings für Wolfschlugen und Oberensingen sowie Hardt. Bolay spricht dort von „verhältnismäßigen Mehrbelastungen“. In der regionalen Betrachtung ergäben sich deutliche Vorteile, sagt er. Deshalb schwebt ihm, vorbehaltlich einer Genehmigung, zunächst einmal ein Probebetrieb für die neue Abflugroute vor. Die Fluggesellschaften würden dies nach Bolays Aussagen bei ein bis zwei Flügen pro Stunde praktizieren. Denn nicht jede Maschine sei für den steileren Abflugwinkel geeignet. Zudem müssten stets die Wetterlage und das Verkehrsaufkommen auf der Start- und Landebahn berücksichtigt werden. Die Pläne wurden bislang nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert. Denn sie bergen durchaus Zündstoff.

Während Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs am liebsten alle Flieger auf der neuen Südroute starten lassen würde, stößt das Vorhaben bei Wolfschlugens Rathauschef Matthias Ruckh auf deutliche Kritik. „Eine bloße Umverteilung des Lärms ist der falsche Weg.“ Im Sinne eines effektiven Klimaschutzes sei es viel wichtiger, die Verkehrspolitik zu ändern und Kurzstreckenflüge zu reduzieren. Eine Einsparung von 200 Kilogramm CO2 pro Flug, wie sie die Kommission erwartet, hält er nicht für ein gewichtiges Argument. Außerdem fürchtet Ruckh, dass es nicht bei den ein bis zwei Flügen pro Tag auf dieser Südroute bleiben wird. Am 20. September soll das Thema öffentlich im Wolfschlugener Gemeinderat beraten werden.

Alle in die Diskussion einbinden

Ihm sei wichtig, alle betroffenen Kommunen von Anfang an in die Diskussion einzubinden, unabhängig davon, ob sie Mitglied in der Fluglärmkommission Stuttgart sind oder nicht, sagt Christof Bolay. Er rechnet damit, dass die Fluglärmkommission in ihrer nächsten regulären Sitzung Anfang November einen Grundsatzbeschluss fassen werde. Sollte der Beschluss Anfang November positiv ausfallen, kann der Genehmigungsprozess durch die Deutsche Flugsicherung weiter vorangetrieben werden. Das neue Verfahren muss vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung und letztlich vom Bundesverkehrsministerium genehmigt werden. Wenn dieser Prozess durchlaufen ist, könnte die neue Flugroute erstmals im August 2022 genutzt werden

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