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Nicht Akzeptieren von Umständen

Zu den Leserbriefen über Corona am 22. April

Egal, um welche persönlichen Unannehmlichkeiten und teilweise auch verständliche Aufreger es an diesem Tag ging: Eines haben die abgedruckten Zuschriften alle gemeinsam - es ist das nicht Akzeptieren wollen oder können von Umständen, die uns weder ein Oberbürgermeister, noch eine Landesregierung noch sonst irgendwelche Behörden aufzwingen wollen - „Corona-Nebel ist aufgezogen“ und sanktioniert unsere Handlungsfreiheit. Wir wissen alle zusammen leider immer noch zu wenig. Daher kann es nur um das Lernen des „Sichtflugs im Nebel“ gehen. Und ja, es ist ein gewisser Zustand von Entropie als einem Maß für Unordnung fühlbar in Politik, Behörden, aber auch in den Köpfen.

Trotzdem versuchen die „Kapitäne der Politik“ zu steuern und beweisen Mut. Und das tun sie im Moment, an den Ergebnissen gemessen, besser als der Rest Europas.

Sitzen die Nerven schon so blank, dass man bereits nach knapp vier Wochen die Fassung verliert, unserem Oberbürgermeister Profilierungs-Aktionismus vorwirft und sich von den Kirchheimer Verkaufsläden abwendet? Welcher Frust sitzt da ganz tief im Innern, wenn es um den alten Reflex des Sündenbocksuchens geht?

Ich hoffe, dass die Reproduktionszahl solcher geistigen Ergüsse möglichst bald gegen Null geht.

Für den einen oder anderen Zeitgenossen/genossinnen scheint ein Charaktertest angebrachter als ein Coronatest.

Denn in einer Zeit, in der vor allem Solidarität, Rücksicht und Nachsicht - auch für manchmal unverständlich erscheinende Maßnahmen, notwendig sind - geht es tatsächlich auch um Verzicht der nicht unbedingt Verlust bedeutet.

Und noch ein Wort zu Pascal Bader: Nach meiner Beobachtung war er bisher einfach nur schneller als alle anderen, beziehungsweise man könnte auch sagen, er hat früher erkannt, was notwendig ist. Ihn deshalb der Profilierungssucht zu verdächtigen ist beschämend.

Gotthilf Mack, Kirchheim

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