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Nicht alles ist, wie es scheint

Zum Artikel „Treckerkolonne legt Dettingen zeitweise lahm“ vom 11.  September

Viele gesellschaftliche Kräfte sind sich einig - der Umbau unserer Hochleistungs-Industrie hat höchste Priorität. Zu glauben, dass dafür irgendwelche Industriebrachen ad hoc zur Verfügung stehen, ist naiv. Ein Federstrich reicht da nicht aus - Oberlenningen lässt grüßen. In Dettingen könnte man einen Beitrag zu dieser gesellschaftlichen Herkulesaufgabe leisten. Will man aber nicht.

Es lebt sich gut im Speckgürtel von Stuttgart. Und das Fähnlein der Naturbewegten und Freizeitgänger will die Industrieansiedlung auf dem Hungerberg verhindern. Dazu haben sie einen Schlachtplan entworfen. Sie haben die Landwirte mit süßen Worten umgarnt. Vorbei ist die Feindschaft wegen Glyphosat und so. Jetzt ist der Landwirt der Gute, die Industrie die Böse - der Coup ist gelungen.

Es gibt im Tal höchstens ein Dutzend Vollerwerbslandwirte und viele Nebenerwerbslandwirte, die sich insbesondere auch um die Streuobstwiesen kümmern. Siegfried Nägele, Vorsitzender des Nebenerwerbsausschusses im Landesbauernverband, erklärte 2017 auf einer LBV-Fachtagung: „In der auch heute noch kleinstrukturierten Landwirtschaft Baden-Württembergs lässt sich eine flächendeckende Landbewirtschaftung . . . ohne den Nebenerwerbslandwirt nicht aufrechterhalten.“

Er weiß genau, seine „Schützlinge“ müssen ihr Auskommen in der Regel in der Industrie suchen. Dennoch macht er sich gemein mit jenen, die Hand anlegen an die Zukunftschancen der kleinen Nebenerwerbsbetriebe. „Speziell in der Region um die Teck könne man sich keine weitere Versiegelung von weiteren Flächen erlauben“, diktiert er der Presse willfährig in die Feder. Klar ist, ein langsames Abwürgen der Nebenerwerbsbetriebe wird die geliebte Landschaft nachhaltig verändern.

Gerold Straub, Kirchheim

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