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Nun kleben sie wieder

Zur Berichterstattung über die Landtagswahl

Alle fünf Jahre wieder strahlen uns im Vorfeld der Landtagswahlen die bis zur Unkenntlichkeit geschönten Konterfeis der Kandidatinnen und Kandidaten von Lampenmasten oder Aufstellern entgegen und verkünden ihre Wahlwerbebotschaften. In Abwandlung des „Schwåba-Rap“ von Fridi Rauscher könnte man texten: „Mir brengat d’Plakat / mir hengat se uff / mir bäppet dia ganze Stråß entlang.“

Dabei ist die Werbewirksamkeit der Plakatflut alles andere als erwiesen. Der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim stellt sogar lapidar fest, dass „Plakate für die Wahlentscheidung nicht relevant“ seien. Überdies dürften die Plakate keinesfalls textlastig sein, sondern mit Farben und Schlagworten arbeiten. Die von der Landes-CDU für ihre Plakatkampagne beauftragte - und sicher nicht billige - Berliner Werbeagentur Römer und Wildberger hat offenbar diese Prinzipien nicht durchgehend beachtet. Wie hätte sonst bei einem der im Netz bespöttelten Plakate die eindeutig zweideutige Formulierung herauskommen können, man möge CDU wählen „. . . weil wir Verbrecher von heute mit der Ausrüstung von morgen jagen“? Jagen da jetzt Verbrecher von heute oder werden solche gejagt? Nominativ oder Akkusativ? Dem vorbeirauschenden Autofahrer wird es hier nicht leicht gemacht!

Auf die Häme im Netz reagierte die „Eisenmannschaft“ mit (gespielter) Gelassenheit: Man werde an den Plakaten festhalten, was logisch ist, denn man hat sie ja auch teuer bezahlt und kann sie nicht einfach makulieren. Der grüne Stuttgarter Ex-OB Fritz Kuhn fragte übrigens süffisant beim politischen Gegner an: „Liebe Frau Eisenmann, hat eure Werbekampagne etwas gekostet?“

Dr. Ernst Kemmner, Kirchheim

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