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Ökostrom ist der Schlüssel

Ralf Wörner ist Professor für Fahrzeugtechnik und Leiter des Instituts für nachhaltige Energietechnik an der Hochschule Esslingen. Er hält die Brennstoffzelle für einen unverzichtbaren Baustein auf dem Weg zur Klimawende.

Herr Wörner, darf ich fragen, was Sie privat für ein Auto fahren?

(lacht) Stand heute fahre ich tatsächlich noch einen Verbrennungsmotor. Natürlich werden Sie auch mich erleben dürfen, dass ich wechsel, sobald adäquate Angebote da sind.

Was macht Wasserstoff als Energieträger für Sie so besonders?

Wasserstoff versetzt uns zunächst einmal in die Lage, regenerative Energie, die ja nicht immer dann erzeugt wird, wenn man sie braucht, zwischenspeichern zu können. Er bietet dann viele Einsatzmöglichkeiten, wie es auch viele Formen von Brennstoffzellen gibt. Also viele Wege, Energie wieder in Strom zurückzuwandeln. Das kann im Fahrzeugbereich sein, aber auch bei Schiffsantrieben.

Wasserstoff ist energieintensiv und teuer in der Herstellung. Sehen Sie in naher Zukunft eine Lösung für dieses Problem?

Tatsächlich haben wir bei der Erzeugung von Wasserstoff eine Verlustkette von 50 Prozent und dadurch indirekt hohe Kosten. Der Schlüssel liegt darin, dass wir Wasserstoff vergleichen müssen mit seinen Wettbewerbern, also mit fossilen Energieträgern. Wenn wir nicht die Verluste bis zur Verfügbarkeit als Vergleich heranzziehen, sondern ab Nutzung, dann haben wir Spielmöglichkeiten. Etwa indem wir sehr kostengünstige Energieressourcen einsetzen wie Wasserkraft oder überschüssige Windkraft und damit Endkosten erreichen, die dem Wettbewerb Stand halten können.

Wenn wir genügend Ökostrom erzeugen, ist der Preis für Wasserstoff also kein Thema mehr?

Korrekt. Nur ein Beispiel: In der Schweiz hat man sich durchgerungen, ein Netz mit Wasserstoff-Tankstellen alle 20 Kilometer zu errichten. Die Produktion läuft über Strom aus Wasserkraft, für den der Preis bei deutlich unter vier Cent pro Kilowattstunde liegt. Dadurch wird Wasserstoff plötzlich ein sinnvoller und wettbewerbsfähiger Energieträger. Entscheidend ist aber etwas anderes. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass fossile Energieträger ihre Preisposition werden halten können. Sie werden in den nächsten fünf bis fünfzehn Jahren deutlich teurer werden.

Sie planen mit der Hochschule gemeinsam mit dem Landkreis ein Pilotprojekt, in dem schwere Nutzahrzeuge der Straßenmeisterei auf Brennstoffzellenantrieb umgerüstet werden sollen. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, solange es keine Neufahrzeuge auf dem Markt gibt?

Das hat schon Schule gemacht. Ich würde mir niemals anmaßen zu sagen, wir hätten eine neue Idee entwickelt. Der Umrüstmarkt hat sich schon in den letzten Jahren zunehmend etabliert. Neu sind jetzt Regularien, die Nutzer in die Pflicht nehmen, emissionsfreie Antriebe einzusetzen. Neu ist auch, dass dabei erstmals Schwerlastverkehr und Bustransporte einbezogen werden. Dadurch öffnet sich ein neuer Markt, der in der kurzen Zeit nicht bedient ist. Das Umrüstgeschäft ist ein interessantes Feld, das sich in den nächsten fünf Jahren auftun wird. Bernd Köble

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