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Ohne Autos fehlen Leute

Ein weiteres Mal hat der Gemeinderat über den Autoverkehr in Kirchheim debattiert - in erster Linie über den ruhenden Verkehr, also über das Parken in der Innenstadt. Es wird nicht die letzte Diskussion gewesen sein, denn dabei stehen sich zwei Denkmodelle diametral gegenüber.

Das eine Modell ist geprägt von einem Wunschdenken. Ob es der Wunsch nach Entschleunigung ist, nach frischer Luft oder nach freien Plätzen, sei dahingestellt. Jedenfalls handelt es sich um den Wunsch, dass es möglichst gar keinen Autoverkehr mehr geben soll. Das Konzept kann zunächst durchaus aufgehen, kurzfristig gesehen: Wenn man den Parkraum bewusst knapp hält, kommt auch kaum noch jemand mit dem Auto in die Innenstadt. Der gewünschte Erfolg stellt sich also ein.

Die Frage ist nur, was die langfristigen Folgen sind. Welche Konsequenz ziehen die Autofahrer, die sich ausgebremst sehen? Hier setzt ein weiteres Wunschdenken ein: Das Denkmodell sieht vor, dass alle in kurzer Zeit aufs Fahrrad, auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf Fußverbindungen umsteigen.

Das Dumme bei Wünschen: Sie gehen nicht immer in Erfüllung. Die Fakten sehen nämlich anders aus. Gerade die Corona-Pandemie hat dem Auto eine Renaissance beschert: Die Menschen setzen sich lieber alleine in ihr Fahrzeug, als in den Bus oder in die S-Bahn zu steigen und sich der entsprechenden Ansteckungsgefahr auszusetzen.

Was also machen Autofahrer, die ihr Fahrzeug nirgends abstellen können? Sie meiden die Innenstadt. Der Erfolg, dass es weniger Autos in der Stadt gibt, wäre dann teuer erkauft: Alle Versuche, die Innenstädte am Leben zu erhalten, sind zum Scheitern verurteilt, wenn eine große Gruppe von Besuchern systematisch vergrault wird.

Die Pragmatiker erkennen das und halten an Stell- und Parkplätzen fest. Es muss ja nicht gleich das frühere Credo von der autogerechten Stadt wiederbelebt werden. Aber es braucht einen Mittelweg zwischen der Stadt, die sich dem Auto unterordnet, und der autofreien Stadt.

In diesem Fall geht es auch um das Auto der Zukunft: Es wird mit Strom betrieben oder aber mit Energie aus der Brennstoffzelle. Wenn die benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, fällt eines der Hauptargumente gegen das Auto weg: Es ist kein Klimakiller mehr.

Das Auto ist dann das ideale individuelle Verkehrsmittel, das bei Wind und Wetter zu jeder beliebigen Zeit größere Strecken überwinden hilft, die nicht jeder mit dem Fahrrad zurücklegen möchte. Und für dieses Verkehrsmittel müssen die Städte genügend Abstellplätze anbieten.

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