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Oldtimer schweißen zusammen

Kirchheim Larissa Lange, Michael Jahnz und Werner Lange aus Kirchheim stellen ihre Fahrzeuge am Sonntag während der Oldtimertage im Freilichtmuseum in Beuren aus. Von Thomas Krytzner

Der Kirchheimer Oldtimer-Clan präsentiert bald seine Schmuckstücke bei der Show im Freilichtmuseum.Foto: Thomas Krytzner
Der Kirchheimer Oldtimer-Clan präsentiert bald seine Schmuckstücke bei der Show im Freilichtmuseum.Foto: Thomas Krytzner

Wenn es am kommenden Wochenende im Freilichtmuseum wieder knattert und rattert, können die Besucher erneut Hunderte alte Vehikel auf zwei und vier Rädern bestaunen. Auch aus Kirchheim und Lindorf nehmen Oldtimerliebhaber teil. So wird Werner Lange aus Lindorf seinen Lanz Bulli zeigen, Larissa Lange fährt ihre DKW Hummel vor und Michael Jahnz steigt auf sein Motorrad MZ RT 125, um es in Beuren zu präsentieren.

Die Freude an alten Fahrzeugen währt bei den dreien schon lange. Bei Michael Jahnz aus Kirchheim hat alles mit einem Erbstück angefangen. Ihn begeisterte ein Moped der Marke DKW aus Zschopau. Die Maschine aus dem Jahr 1959 fand sein Interesse mit 16 Jahren. Und 16 Jahre war Michael Jahnz auch alt, als er begann, für die motorisierte Mobilität zu schwärmen. „Das Teil war schon damals ein Oldtimer im Familienbesitz“, erklärt er schmunzelnd. Sie sei seine Einstiegsdroge in die Welt der Oldtimer gewesen.

Durch die Verwandtschaft in Ostdeutschland kam er darauf, dass die alten Vehikel eine besondere Bedeutung haben. „Wenn wir im Osten zu Besuch waren, drehte ich als Erstes immer eine Runde auf dem Motorrad, einer MZ RT 125.“ Er hatte seinen Onkel immer wieder bekniet, ihm die Maschine mal zu verkaufen. Und so geschah es auch. „Ich fahre das Moped heute noch regelmäßig.“ Allerdings habe er mittlerweile die alte Kontaktzündung gegen eine elektronische austauschen müssen. „Die alte hatte ein Thermikproblem. Sobald der Motor warm wurde, quittierte das Moped den Dienst.“ Jetzt ist er zufrieden. „Seit dem Austausch ist sie das zuverlässigste Fahrzeug im Stall.“ Denn: Selbst nach langer Standzeit springt sie sofort an.

Die Jüngste im Familienclan der Oldtimerfreunde ist Larissa Lange. Sie wurde vom Opa, Werner Lange, angefixt. Sie erinnert sich: „Mit drei Jahren war ich schon voll dabei. Damals fuhren wir mit Opa und seinem Traktor immer auf die Wiese zum Mähen.“ Dabei durfte sie bei Fahrten im Standgas schon auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Es dauerte nicht lange - zumindest als die Beine zu den Pedalen reichten - bis sie den Bulli selbst fahren konnte.

Doch ihre große Liebe hat zwei Räder: eine DKW Hummel. Das Moped wurde 1957 gebaut und hat ganze 1,35 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt um die 40 Stundenkilometer. „Dafür ist der Benzinverbrauch heute ein Traum. Auf 100 Kilometern verbraucht sie knapp über einen Liter Benzin.“ Für Larissa Lange sind die 50 ccm Hubraum ein weiterer Vorteil: „Da brauche ich keinen Motorradführerschein.“ Allerdings brauchte der Umgang mit der Hummel viel Übung. Larissa Lange lacht: „Ich bin immer froh, wenn ich mit meiner Hummel gut am Ziel ankomme.“

Meistens ist das Ziel Lindorf. Der Familienclan trifft sich regelmäßig bei Opa und Oma. Da werden dann auch Pläne geschmiedet oder Ausflüge geplant, beispielsweise die Teilnahme am Oldtimertreffen in Beuren. „Bei uns geistert auch eine Italienreise über den Brennerpass in den Köpfen rum.“ Doch bis es so weit ist, muss auch an der Hummel noch einiges umgerüstet werden. „Da läuft nicht alles leicht.“ Jüngst musste eine neue Zündkerze her, wie die Mopedfahrerin berichtet, „das war gar nicht einfach. Aber zum Glück gibt es das Internet, und wir konnten eine passende Kerze finden.“

Familienoberhaupt ist Werner Lange, und er nimmt am liebsten auf seinem Bulldog Platz. Bulldog ist jedoch nur halb richtig, wie der langjährige Oldtimerfreund berichtet: „Ein Lanz-Bulldog war schon immer mein Traum. In Schlierbach habe ich meinen jetzigen Besitz zufällig gesehen, und im Grunde wollte ich den gar nicht.“ Lange erklärt warum: „Ich wollte einen ganzen Traktor und nicht nur einen halben.“ Der Lanz-Bulli aus dem Jahr 1958 ist mit 11 Pferdestärken der kleinste der Lanz-Traktoren. Deshalb bekam das Vehikel den Beinamen „Bulli“. Werner Lange lacht: „Maximal 20 Kilometer in der Stunde, eher weniger, kommt man voran.“

Dass der Schlepperliebhaber heute dennoch stolzer Besitzer des Bullis ist, verdankt er seinem Sohn. „Er schenkte mir den Traktor zum Geburtstag. Da waren Freude und Überraschung groß.“ Und das Vehikel wird rege genutzt. Früher, als Werner Lange noch Ziegen hatte, wurde Heu gefahren und gewendet. Später tauchte er immer wieder bei Kindergeburtstagen in der Familie auf, und noch heute nimmt er an Ausfahrten der Schlepperfreunde Lindorf teil. Im Familienclan gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Oldtimer.

Die Liebe zu alten Fahrzeugen hat jeder individuell entdeckt. Da schwärmt Alex Hofmann von seinem VW Bulli oder Klaus Hofmann vom Fiat 500 R, während Dieter Lange auf sein Motorrad NSU LUX schwört. Aber alle verbindet sie die Freude zu den alten knatternden Vehikeln, und der Familienclan ist sich einig: „Die Fahrzeuge gehören zur Familie.“

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