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Orgelkonzert ersten Ranges

Musik Der erste katholische Konzertorganist in St. Georg überzeugte.

Dettingen. Das Konzert war längst überfällig: Thomas Specker, Kirchheimer Dekanatskirchenmusiker, ist Dettinger und Hausherr an der anderen Orgel in norddeutschem Stil, dem Meisterwerk von Paolo Ciresa in St. Nikolaus von der Flüe, Dettingen. Nachdem die Dettinger St.-Georgs-Orgel aus einer aufgelassenen katholischen Kirche stammt, hat sie unter den Händen des katholischen Meisters jetzt ihre höheren Weihen erhalten.

Zu Beginn des Programms eine Verbeugung vor dem Großmeister der norddeutschen Orgelschule, Dietrich Buxtehude. Thomas Specker gab damit seine Visitenkarte ab: Ein Organist auf der Höhe der Zeit, stilsicher und hinausgewachsen aus den Usancen seiner Studienzeit. Und so ging es weiter mit Samuel Scheidt, Johann Sebastian Bach und Johann Pachelbel, keine schwergewichtigen Stücke, jedoch fein ausgehört, mit großem Ernst und noch größerem Können gespielt.

Dann die Überraschung: Französische Romantik. Der Grand Choeur Dialogé von Eugène Gigout. Ob das an diesem puristischen Instrument wohl gut gehen könnte? Voilà, die Dettinger Dorfkirche weitete sich zur Kathedrale.

Was sollten aber nach dieser Offenbarung die eher harmlosen Flötenuhrstücke von Joseph Haydn? Atem holen oder Wiener Luft schnuppern wie Johannes Brahms? Das Experiment ist geglückt: Specker ließ den Miniaturen größte Sorgfalt angedeihen, und der wienerische Zungenschlag gelang ihm perfekt.

Nun der Knaller: Thomas Specker ließ die Muskeln spielen. Mit Carillon de Westminster von Louis Vierne, der hoch virtuosen Fantasie über den weltberühmten Glockenschlag des Big Ben, fegte ein Bravourstück durch die Kirche. Nur Orgelathleten dürfen sich an dieses Stück heranwagen. Thomas Specker hat Dettingen zur Orgelstadt gemacht, mehr kann man nicht verlangen.Ernst Leuze

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