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Peinlich und rücksichtslos

Zum Leserbrief „Frieden und Gerechtigkeit“ vom 12. Mai

Nach Lektüre dieses Leserbriefes fühle ich mich genötigt, dieses Bild über Israel etwas zurechtzurücken. Für mich war der Auftritt Gabriels in Israel nicht nur peinlich, sondern auch rücksichtslos. Von diplomatischem Gespür und nötiger Solidarität zu Israel konnte keine Rede sein. Zum Vergleich stelle man sich vor, Präsident Trump kommt nach Deutschland zu einem Staatsbesuch und trifft sich vor dem Termin mit Kanzlerin Merkel noch schnell mit Vertretern von Pegida.

Zur Entwicklung: Bis etwa 1880 war das Gebiet des heutigen Israel, damals weitgehend ein Sumpfland, dünn bevölkert. Im Zuge der zionistischen Bewegung wurde es urbar gemacht und nach Zusammenbruch des osmanischen Reiches durch ein UN-Mandat den jüdischen Siedlern zur Bildung des Staates Israel zugesprochen. Dieser Entscheidung gingen viele Jahrhunderte der Verfolgung und Diskriminierung jüdischer Mitbürger in Europa voraus. Schließlich endete das Schicksal vieler Juden im 20. Jahrhundert im Holocaust der Nazis. Sofort nach Gründung 1948 wurde dem jungen Staat von fast allen umliegenden arabischen Staaten der Krieg erklärt, der bis heute andauert. Nur Ägypten und Jordanien schlossen mittlerweile Friedensverträge mit Israel.

Die NGOs, die von Gabriel ausgewählt wurden, verfolgen zum Teil sehr umstrittene Methoden, die einen echten Friedenswillen fraglich erscheinen lassen. Davon kann man sich durch eine einfache Internetrecherche überzeugen. Der Apartheid-Vergleich von Herrn Brinker ist eine zusätzliche Entgleisung, die ebenso historisch unsinnig wie unzutreffend ist. Bis heute leben viele arabische Bürger - circa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung -, mit meist islamischem Hintergrund in einem offenen demokratischen Staat Israel, ohne jegliche Einschränkung und mit allen Bürgerrechten - sie sind sogar im Parlament vertreten.

Michael Olpp, Kirchheim

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