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Pervertiertes Erziehungsideal

Zur Berichterstattung über die Kitas

Zum Ende des 19. Jahrhunderts galt es als eine soziokulturelle Errungenschaft, dass bis dahin als „junge“ Erwachsene im Erwerbsleben „ausgebeuteten Kindern“ eine eigene biografisch umschriebene Entwicklungszeit zugestanden wurde: Kindheit und Jugendzeit.

In den letzten 20 Jahren ist nun eine „neue“ Denkweise entstanden, wie an den aktuellen „Kita-Diskussionen“ zu erleben ist. Wieder wird die Kindheit - möglichst ab Geburt - unter den Erwartungen der Wirtschaft neu ausgerichtet. Die Vorkindergärten und Kindergärten mutieren zur „Bildungseinrichtung“, das Prinzip Input-Output wird zur „Bildungsmaxime“ erklärt, damit die Schule, an den Erwartungen der Wirtschaft ausgerichtet, sich diesem Ziele unterwerfen kann. Konditionierung und Ergebnisorientierung zur sofortigen Erwerbsverwendung: ein pervertiertes Erziehungsideal!

Der „homo ludens“ Schillerscher Prägung wird eliminiert, künstlerische Fähigkeiten nicht mehr gewünscht - ein Lob auf die „Verbetrieblichung“ der neuen Kindheit und Jugend - zukünftige Psychotherapeuten und Somatiker wird’s „freuen“. Den verantwortlichen Politikern - mehr der Wirtschaft denn der Verantwortung für die Jüngsten der Gesellschaft verpflichtet - sei es „gedankt“.

Dr. Matthias Komp, Kirchheim

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