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Pflanzen helfen der Seele

Hobby Thomas Schaal hat in seiner Kirchheimer Wohnung mehr als 200 Pflanzen. Die meisten davon hat er selbst gezüchtet. Über Instagram findet er Kontakt zu Gleichgesinnten. Von Lena Bautze

Thomas Schaal präsentiert stolz seinen Steineibe-Bonsai. Der Baum ist ungefähr 40 Jahre alt. Fotos: Carsten Riedl
Thomas Schaal präsentiert stolz seinen Steineibe-Bonsai. Der Baum ist ungefähr 40 Jahre alt. Fotos: Carsten Riedl

Ein Cashewbaum, ein Kakaobaum, Kokosnuss- und Südseepalmen, Sternfruchtbäume - diese Exoten findet man nicht unbedingt in jedem Baumarkt. Bei dem Kirchheimer Thomas Schaal wachsen sie allerdings in seiner Wohnung. Über 150 verschiedene Pflanzenarten verteilen sich in seinem Zuhause. „Vor zwei Jahren habe ich damit angefangen“, erklärt er. Heute nimmt sein Hobby mehrere Stunden am Tag ein.

Zunächst war es reine Neugier: „Ich wollte wissen, welche Pflanze hinter einer exotischen Frucht steckt. Man weiß ja nicht unbedingt, wie ein Sternfruchtbaum aussieht“, sagt Schaal. Die Samen hat er selbst aus den Früchten gezogen. Dabei sei es wichtig, sie gründlich und vorsichtig zu reinigen. „Das ganze Fruchtfleisch muss weg - sonst schimmeln sie.“ Doch auch das richtige Klima spielt eine Rolle bei tropischen Pflanzen. Deshalb hat der 54-jährige Kirchheimer ein komplettes Zimmer freigeräumt - dort herrschen das ganze Jahr über tropische Temperaturen bei circa 25 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. „Das Zimmer war eigentlich früher mein Büro“, sagt Thomas Schaal.

Aufgrund einer Krankheit konnte er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen. „Ich habe mich jedoch nach einer Aufgabe und Verantwortung gesehnt.“ Tiere waren ihm zu heikel und so stürzte er sich auf Pflanzen. Mittlerweile gibt es kaum eine Frucht, die er nicht versucht hat, selbst zu züchten. Besonders stolz ist der Kirchheimer auf seine selbstgezogenen Kokosnusspalmen. Ausgangspunkt waren ganz einfach handelsübliche Kokosnüsse: „Der Samen ist in der Nuss. Man muss nur Glück haben, einen keimfähigen zu erwischen.“ Aus fünf präparierten Nüssen sind zum Schluss zwei Pflanzen gewachsen. Doch einfach die Nuss kaufen und auf die Fensterbank legen, so einfach geht es dann doch nicht. „Zuerst muss man die Härchen der Nuss entfernen, damit sie später nicht schimmeln“, erklärt er. Danach legt man die Nuss in eine verschließbare Box, sprüht sie ab und zu mit Wasser an und wartet. „Am besten ist es, wenn man die Frucht nicht mehr berührt“, weiß Schaal. Bei ihm hat es rund drei Monate gedauert, bis der erste Spross zu sehen war. Jetzt ist seine Lieblingspflanze rund zwei Meter hoch.

Voneinander lernen

Thomas Schaal liebt nicht nur große Pflanzen, sein Herz schlägt auch für die ganz kleinen. Mehrere Bonsais zieren seine Wohnung. „Eigentlich kannte ich mich damit gar nicht aus.“ Doch nachdem jemand auf Ebay eine ganze Bonsai-Sammlung verkaufte, konnte sich der Pflanzenliebhaber nicht mehr zurückhalten und kaufte sie komplett. „Ich habe halt etwas übertrieben“, sagt er lachend. Die meis- ten seiner Bonsais stehen auf dem Balkon. „Sie brauchen auch die Kältephase, um ihr Laub abzuwerfen.“ Seit Juli ist er auch bei den Bonsaifreunden Kirchheim Mitglied. Dabei treffen sich die Mitglieder einmal im Monat und bringen ihre Bäume mit, um sie gemeinsam zu verdrahten und zurückzuschneiden. „Das ist super, um sich auszutauschen und von den anderen zu lernen.“

Die Pflanzen haben für Thomas Schaal auch einen therapeutischen Wert. „Manchmal ist es schwer, aus dem Haus zu gehen. Dann hilft mir die Beschäftigung mit den Pflanzen.“ Einige seiner Sprösslinge verkauft er über Ebay und bleibt mit seinen Kunden im Kontakt, gibt ihnen Tipps.

Dokumentation über Instagram

„Mein Therapeut hat mir geraten, über mein Hobby mehr soziale Kontakte zu bekommen.“ Deshalb hat der Kirchheimer Pflanzenfreund auch einen Instagram-Account angelegt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten folgen seinem Kanal „Exothom“ mittlerweile fast 1400 Menschen. Dort zeigt er, wie er Pflanzen umtopft, wie die Wachstumsphasen aussehen und gibt Tipps zur Pflege. Gleichzeitig spart er für sich selbst einiges an Papierkram. „Vor Instagram habe ich noch alles in Exeltabellen aufgeschrieben, wann ich die Samen gesäht habe, wann sie keimen, in welchem Substrat und so weiter“, sagt er. „Wenn ich jetzt gezielt Daten einer Pflanze von mir brauche, kann ich einfach bei Instagram nachschauen.“

Pflanzenfreak Thomas Schaal hat über 300 Pflanzen in seiner Wohnung
Pflanzenfreak Thomas Schaal hat über 300 Pflanzen in seiner Wohnung
In seinem ehemaligen Büro herrschen jetzt tropische Temperaturen. Er gießt mit destilliertem Wasser, dem er noch Nährstoffe hinz
In seinem ehemaligen Büro herrschen jetzt tropische Temperaturen. Er gießt mit destilliertem Wasser, dem er noch Nährstoffe hinzufügt.
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