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Pflege findet kaum statt

Zum Artikel „Kreiskliniken bei Patienten beliebt“ vom 8. August

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Im Bericht zum Jahresabschluss der Kreiskliniken wird in erster Linie auf das positive Ergebnis von 9,4 Millionen Euro eingegangen. Durch Gespräche mit Patienten, Personal und Angehörigen in Kirchheim und Nürtingen im letzten Halbjahr ist mir klar geworden, unter welchen Bedingungen ein solches Ergebnis erreicht wird.

Der Ärzte- und Fachkräftemangel macht sich im Krankenhaus stark bemerkbar. Geringe Bezahlung ist kein Ansporn für jüngere Leute bei der Berufswahl. Einige gehen nach der Ausbildung weg. Manche Mitarbeiter verstehen kaum Deutsch und sind keine Hilfe für die Stammbelegschaft, eher Last. Des Öfteren sind die Zimmer überbelegt. In Einzelzimmern sind zum Beispiel zwei Personen mit gleichem Personal. In der Nacht ist in einer Abteilung eine Schwester für 22 bis 24 Patienten zuständig. Bei Notfällen muss von anderen Stationen Hilfe geholt werden. Auch tagsüber sieht es nicht viel besser aus. Pflege findet kaum statt. Angehörigengespräche sind aus Zeitgründen kaum möglich. Von Hausärzten und Pflegeheimen höre ich, dass Patienten zu früh heimgeschickt werden. Krankenhausärzte sagen, sie wären unter massivem Druck der Krankenkassen aufgrund der Fallpauschalen und hätten kaum eine Möglichkeit, selbst Hochbetagte etwas länger im Krankenhaus zu belassen. Dieser Druck wird dann auf Patienten und Angehörige weitergegeben.

Ulrich Deuschle, Notzingen