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Reiseunternehmer setzt auf Viren-Killer

Tourismus Die Busunternehmen stehen vor einer weiteren Corona-Saison. Abhilfe versprechen neue Techniken, flexible Stornobedingungen – und Impfungen. Von Bianca Lütz-Holoch

Rainer Burkhardt zeigt das UV-Gerät, das er in den Lüftungskanal seines Reisebusses hat einbauen lassen. Foto: Carsten Riedl
Rainer Burkhardt zeigt das UV-Gerät, das er in den Lüftungskanal seines Reisebusses hat einbauen lassen. Foto: Carsten Riedl

Noch stehen die Reisebusse still. Corona-bedingt sind touristische Fahrten bis mindestens Mitte Mai verboten. Die Hoffnung haben die Busunternehmer im Raum Weilheim aber nicht aufgegeben: Sie stehen in den Startlöchern für die neue Reisesaison.

Bei Rainer Burkhardt vom gleichnamigen Reisebusunternehmen in Weilheim fährt künftig ein „Viren-Killer“ mit - eine kleine, blau leuchtende Gitterbox, die im Lüftungskanal oben hinter den Gepäckfächern montiert ist und immer dann anspringt, wenn der Motor läuft. „Das Gerät bildet mithilfe einer UV-Lampe und Edelmetallen Oxidantien“, erläutert Burkhardt. „Sie verteilen sich im Bus und töten die Viren ab.“ Vergangene Woche hat er das Gerät in seinen Reisebus einbauen lassen. Darüber hinaus wurden Aktivfilter nachgerüstet, die Aerosole aus der Luft filtern. „Mehr geht nicht, um unseren Reisegästen größtmögliche Sicherheit zu bieten“, sagt er.

Eines fehlt aber noch: ein Signal, wann die Busse wieder auf Tour gehen dürfen. „Wir können überhaupt nicht planen“, bemängelt Franz Buck von Reisen und Radeln in Weilheim. Er hofft, dass es im Juni wieder losgeht. Busunternehmen, die ausschließlich touristische Fahrten anbieten, trifft der Stillstand hart: „Wir sind seit Dezember keinen einzigen Kilometer mehr gefahren“, verdeutlicht er. Das bedeutet auch, dass die Einnahmen ausbleiben. Trotz allem hat Franz Buck seine sieben Busse mit Aktivfiltern ausgestattet und UV-Geräte gekauft, die er nachts aufstellen will.

Die ersten Reisegäste jedenfalls klopfen schon an - auch bei Fischer Omnibusreisen in Weilheim. Und das liegt nicht nur an der „Stellenanzeige“, mit der das Unternehmen in den sozialen Medien augenzwinkernd „Fahrgäste (m/w/d) in Teilzeit und Vollzeit“ sucht. „In den vergangenen zwei Wochen haben sich vor allem ältere Menschen gemeldet“, freut sich Geschäftsführerin Sybille Bauer. „Das hat uns richtig motiviert.“ Die meisten Kunden gehen davon aus, dass sie bis spätestens zum Sommer oder Herbst durchgeimpft sind. „Und dann wollen sie unbedingt wieder verreisen“, so Bauer. Franz Buck glaubt, dass für Ungeimpfte außerdem Schnelltests zum Einsatz kommen könnten.

Darauf, dass die Impfkampagne zügig fortschreitet, setzen alle Bus- unternehmen. „Das lässt uns vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauen“, sagt Tina Weissinger-Eberhardt, Geschäftsführerin von Weissinger in Bissingen. Ihr Busunternehmen fährt ebenso wie Fischer auch im Linienverkehr. „Das hält uns am Leben“, sagt die Unternehmerin. Bei den Busvermietungen dagegen herrscht Flaute. „Schullandheime und Schulausflüge sind bis zu den Sommerferien gestrichen“, so Tina Weissinger-Eberhardt. Auch Gruppen- und Vereinsreisen gibt es zurzeit nicht.

Die Hemmschwelle für Reisebuchungen senken sollen flexiblere Reservierungs- und Storno­bedingungen. „Im Moment schreiben wir es lediglich auf, wenn jemand Interesse an einer Reise hat und verzichten auf Anzahlungen und Bestätigungen“, sagt Rainer Burkhardt. Bei Fischer und Buck können die Kunden wieder regulär buchen. „Wir haben aber die Fris- ten für kostenlose Stornierungen verlängert“, sagt Sybille Fischer. Fällt eine Reise corona-bedingt ins Wasser, erhalten die Kunden ohnehin ihr Geld zurück.

Damit Busreisen überhaupt wieder Sinn machen, sind weitere Öffnungen Voraussetzung: „Solange Gaststätten und Hotels zu sind, brauchen wir gar nicht loszufahren“, sagt Rainer Burkhardt. Schwierig findet Sybille Fischer die geografischen Unterschiede bei den Vorschriften. „Sie können am Abfahrtsort ganz anders sein als am Ziel. Das macht die Planung kompliziert.“ Sie hofft auf künftig einheitlichere Regelungen.

UV-Technologie und Aktivfilter - damit wagen die Unternehmen Investitionen in einer Zeit des Stillstands. „Der Staat finanziert den Einbau solcher Technologien über die Überbrückungshilfen mit“, sagt Rainer Burkhardt. Ohnehin fühlt er sich vom Land gut unterstützt - ebenso wie Sybille Bauer: „In anderen Bundesländern sind die Busunternehmen wesentlich schlechter dran“, weiß sie. Für ein Unternehmen, das nur von Tourismus abhängt und bei dem sieben Busse stillstehen, reichen die staatlichen Hilfen allerdings nicht aus. „Wir mussten zusätzlich ein Unternehmerdarlehen aufnehmen“, sagt Franz Buck.

Frische Luft für Busse

Spitzenreiter in Sachen Luftaustausch sind bei den öffentlichen Verkehrsmitteln die Reisebusse. Das hat eine Untersuchung des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer ergeben. „Die Luft im Reisebus wird sieben Mal schneller als im ICE ausgetauscht und 4,5-mal schneller als in einem Flugzeug“, legt der Verband dar. Die frische Luft ströme oben ein und werde unten abgeleitet. Und noch etwas: „In den Bus strömt wirklich Frischluft ein. Hier wird nicht nur die immer gleiche Luft herumgewirbelt“, so der Verband der Omnibusunternehmer.

Der Viren-Killer ist ein Luftreinigungs-Produkt, das die Wittener Firma Clean-Air für Busse und Bahnen hergestellt hat. Eingebaut werden die Geräte in Heizung, Ventilation oder Klimaanlage. Sie basieren auf der Photo-Hydro-Ionisierung. Die Viren-Killer sind patentiert und TÜV-geprüft.

Aktiv-Filter sind ein weiteres Instrument, um die Luftreinigung in Bussen zu verbessern. Die mit einer antiviralen Schicht ausgestatteten Hochleistungs-Partikelfilter sollen laut Hersteller auch feinste Aerosole aus der Luft filtern.bil

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