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Rennplan mit Schlaglöchern

Radsport Für Jannik Steimle beginnt die Saison am Sonntag in Spanien mit der Clásica de Almería – einer der wenigen Veranstaltungen in der Pro-Tour, die in Südeuropa im Moment stattfinden. Von Bernd Köble

Die Profis rollen an den Start, doch die Ungewissheit fährt auch im Radsport im neuen Jahr mit. 24 Rennen sind wegen Corona schon jetzt bis Ende März abgesagt, darunter Großereignisse wie die Tour Down Under, die jedes Jahr den Einstieg in die Serie bedeutender Rundfahrten markiert und als früher Formtest im australischen Sommer die Weltspitze lockt. Für den Weilheimer Jannik Steimle im Trikot von ­Deceuninck Quick Step beginnt die Saison ebenfalls anders als erwartet. Die Tour of Antalya in der Türkei - abgesagt. Die Valencia-Rundfahrt - auf unbestimmte Zeit verschoben. Murcia-Rundfahrt und Ruta del Sol in Andalusien - eventuell im Mai.

Ein Termin bleibt: Die Clásica de Almería an Spaniens sonniger Südküste soll am Sonntag stattfinden. Weil Renntermine in ­Europa derzeit Mangelware sind, werden sich auf dem schnellen Kurs dort einige der weltbesten Sprinter versammeln. 22 Teams mit jeweils sieben Fahrern, darunter Bora mit Vorjahressieger Pascal Ackermann oder das Team Emirates mit dem Norweger Alexander Kristoff.

Kein ganz leichter Kurs. Über eine Distanz von knapp 184 Kilo­metern entlang der Küste und durchs Hinterland der Costa de Almería verteilen sich vier Anstiege ab Meereshöhe. Der längs­te und steilste davon auf den 540 Meter hohen Alto de Celin. Für manchen Sprinter könnte das Profil so früh in der Saison zu anspruchsvoll sein, auch wenn es auf den Schlusskilometern topfflach in Richtung Ziel in Roquetas de Mar geht. Möglicherweise ein Fall für Klassiker-Spezialisten, die auch an mittleren Anstiegen hohe Wattwerte treten können.

Test für die Klassiker

So wie Jannik Steimle, der sich am Sonntag eine erste Standortbestimmung erhofft, bevor zwei Wochen später mit Omloop Het Nieuwsblad in Belgien für ihn die lange Reihe der Frühjahrsklassiker beginnt. „Ich bin heiß drauf, dass es endlich losgeht“, sagt der Weilheimer nach zwei Monaten Rennpause. Ohne Krankheiten durch den Winter zu kommen, ist keine Selbstverständlichkeit. Dadurch war schon im Januar intensives Training möglich, obwohl die Belastungsspitzen in der vergangenen Saison erst im November mit der Vuelta anstanden. „Ich habe super trainiert. Meine Werte waren im Februar noch nie so gut“, freut sich Jannik Steimle. „Ich bin unheimlich gespannt, was geht in diesem Jahr.“

Das dürfte auch sein Teamkollege sein, der am Sonntag im Trikot der Belgier besonders im Fokus steht: Quick-Step-Rückkehrer Marc Cavendish ist für einen wie Jannik Steimle ein Jugendidol. Der inzwischen 35-jährige Brite will es nach zwei mäßig erfolgreichen Jahren noch mal wissen. Im Rennstall, bei dem er von 2013 bis 2015 schon einmal auf der Gehaltsliste stand. Nicht weniger als 48 Etappensiege bei Tour, Giro und Vuelta hat der einst weltbeste Sprinter auf dem Konto. Sein elf Jahre jüngerer Kollege aus Weilheim ist überzeugt: „Cav wird auch dieses Jahr Rennen gewinnen.“ Am Sonntag heißt die Aufgabe: ihn so schonend wie möglich abliefern, bevor es auf der Avenida Rey Juan Carlos voraussichtlich zum Massensprint kommt.

Bis dahin gilt die Devise im Team: wachsam sein und reagieren. Wer vorne seine Chance bekommt, entscheidet sich womöglich schon im Hügelland hinter der Küste. Neben Steimle selbst hat der siebenköpfige Quick-Step-Zug mit dem Franzosen Florian Sénéchal und dem Belgier Bert Van Lerberghe zwei weitere endschnelle Fahrer in den Reihen.

Während für einen Teil von Quick Step die Rennsaison bereits am heutigen Donnerstag in der Provence beginnt, steht für Jannik Steimle und seine Mitstreiter bis Sonntag eine weitere Trainingswoche an der Küs­te auf dem Programm. Die Rückkehr nach Altea, wo die Mannschaft in diesem Winter schon zweimal Quartier im Trainingslager bezog, ist für alle willkommen. Die vergangenen Einheiten im Heimrevier um Weilheim waren auch für einen wie Steimle, der Regen und Kälte wie nur wenige wegsteckt, eine Herausforderung. Vier Stunden Intervalltraining im strömenden Regen auf der Alb. „Da werden irgendwann auch die Knochen nicht mehr trocken“, sagt er. Wie gut sich die Leidens­tour auszahlt, wird sich am Sonntag zeigen. Dann hoffentlich bei strahlendem Wetter.

Früher Vorbild, heute Kollege: Jannik Steimle fährt bei Quick Step in dieser Saison mit seinem Jugendidol Marc Cavendish (rechts
Früher Vorbild, heute Kollege: Jannik Steimle fährt bei Quick Step in dieser Saison mit seinem Jugendidol Marc Cavendish (rechts).

Zusammenfassung im TV

Eurosport überträgt am Sonntag ab 21 Uhr eine einstündige Zusammen­fassung des Rennens Clásica de Almería im frei empfangbaren Fernsehen. Das Rennen startet um 13 Uhr. Zielankunft wird gegen 17.30 Uhr erwartet.bk

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