Unzugeordnete Artikel

Rücksichtslos

Als Fahrer im Fahrdienst einer Hilfsorganisation sehe ich jeden Tag das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer und verstehe fast die Welt nicht mehr. Rücksichtnahme, vorausschauendes Fahren, Verkehrsregeln beachten, auf die Kleinen und Schwachen unserer Gesellschaft besonders aufpassen - für viele leider Fehlanzeige.

Es wird, weil es nicht schnell genug geht, über Gehwege „gebrettert“, Vorfahrtberechtigten in den Weg gefahren, rücksichtslos sein Recht auf Vorfahrt durchgesetzt, auch wenn dann gar nichts mehr vorwärts geht.

Heute hatte ich wieder mal ein besonderes Erlebnis. In Nabern war am späteren Nachmittag wohl ein Verkehrsunfall, sodass sich der Verkehr staute. Ich staunte nicht schlecht, als ich einen Spaziergang über unsere landwirtschaftlichen Wege und Feldwege gemacht habe. Aus allen Richtungen fuhren Autos und Motorräder über einen - für den allgemeinen Verkehr gesperrten - Rad- und Landwirtschaftsweg und über Wiesenwege. Das Verkehrsaufkommen war enorm - fast wie auf der Straße zur Feierabendzeit. Wohlgemerkt am Sonntag! Da gibt es keine Rücksicht auf Familien, die mit Kindern per Fuß oder Rad unterwegs sind.

Jetzt frage ich mich - sind die KFZ-Führer wirklich alle im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis? Dann haben sie auch die Fahrschule durchlaufen und müssten mit den gültigen Verkehrsregeln vertraut sein.

Ich jedenfalls habe nicht gelernt, einfach gesperrte Wege zu benutzen, nur weil ich dann abkürzen kann. Es gibt sicher Situationen, die ein Befahren solcher Wege erlauben, etwa bei Gefahr für Leib und Leben. Für alle anderen Eiligen gilt: Die Straßenverkehrsordnung gilt allgemein und sieht keine Ausnahmen für supereilige Menschen vor. Wie wäre es denn, in einer solchen Situation einfach mal eine etwas längere Strecke in Kauf zu nehmen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten die längere Strecke zu Fuß gehen! Dann werden fünf bis zehn Minuten längere Fahrzeit sehr viel kürzer!

Alfred Merz, Bissingen

Anzeige