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Saubere Luft ist ultraviolett

Hygiene Zwei ehemalige Studienkollegen entwickeln in der Bohnau in Kirchheim gemeinsam einen Raumluftreiniger. Das Gerät arbeitet mit einer UVC-Lampe und ist effizient und leise. Von Thomas Krytzner

„Oben strömt keimfreie Luft raus“, erklärt Geschäftsführer Peter Schwarz-Kiene (links). Geschäftspartner Hartwig Wiesmann zeigt
„Oben strömt keimfreie Luft raus“, erklärt Geschäftsführer Peter Schwarz-Kiene (links). Geschäftspartner Hartwig Wiesmann zeigt die ­UV-Lichtröhre, mit deren Technologie die Viren im Innern des Luftreinigers zu über 99 Prozent zerstört werden.Foto: Thomas Krytzner

Der Tecktower 400, wie der Raumluftreiniger heißt, stand am Anfang gar nicht auf dem Plan der beiden Spezialisten in der UV-Technologie. „Die Idee dazu lieferte meine Schwester - Ärztin und Psychotherapeutin -, als sie mich um eine Empfehlung für einen geeigneten Luftreiniger für ihre Praxisräume bat“, erinnert sich Dr. Peter Schwarz-Kiene. Weil es auf dem Markt kein leises und effizientes Gerät für einen Raum mit bis zu 15 Personen gab, beschloss er pragmatisch: „Dann entwickle ich eben einen eigenen.“

Damit war die neue Geschäfts­idee geboren. „Die Anforderungen waren klar und wir beantragten beim Land finanzielle Förderung“, erklärt der UV-Experte. Rund fünf Monate lang dauerte die Entwicklung und Zertifizierung des Tecktowers. „Wir haben alles darangesetzt, um die Wirksamkeit des Luftreinigers nachzuweisen“, präzisiert Dr. Hartwig Wiesmann, Geschäftsführer bei ExiTeck, dem neu gegründeten Start-up in der Bohnau. An der Stuttgarter Universität wurde der Luftraumreiniger dann auf Herz und Nieren geprüft. „Das Resultat war fantastisch“, freut sich Peter Schwarz-Kiene, „über 99 Prozent der Bakterien und Keime konnten an der Replikation gehindert werden.“ Auch der größten Anforderung, der Geräuschreduktion, war man bei der Entwicklung gerecht geworden. „Im Schalllabor wurden 35 Dezibel gemessen“, bestätigt Hartwig Wiesmann.

Wirksam gegen Keime und Viren

Die Funktionsweise des 1,87 Meter hohen Tecktowers ist einfach: „Unten wird die Raumluft durch einen Feinstaubfilter vom Lüfter angezogen, strömt durch den UV-Filter in die Belichtungskammer mit der UVC-Lampe und kommt oben gereinigt wieder raus.“ Der Feinstaubfilter verhindert, dass Staubpartikel in die Belichtungskammer dringen und unerwünschte Gerüche verursachen. „In der Kammer mit der UVC-Lampe werden die Erbinformationen (RNA/DNA) der Keime und Bakterien inaktiviert. Damit ist der Luftreiniger nicht nur in der Bekämpfung des Coronavirus zuverlässig, sondern bekämpft auch Krankheitserreger wie etwa Influenza oder Hepatitis A. „Damit entfällt das Lüften zwar größtenteils“, sagt Peter Schwarz-Kiene, „aber trotzdem muss man Räumen zwischendurch frische Luft zuführen.“ Der UV-Experte kennt die häufigste Kritik an Raumluftreinigern. Er ist überzeugt: „Das Fensterlüften ist bei der Zufuhr von Frischluft nicht geeignet, weil entweder heiße oder eisig kalte Luft in den Raum gelangt.“ Peter Schwarz-Kiene empfiehlt daher: „Dezentrale Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung wären eine ideale Ergänzung zu Luftraumreinigern.“ In der Region haben bereits mehrere Einrichtungen den Tecktower in Betrieb. „Neben den Praxisräumen meiner Schwester läuft ein Gerät testweise in der Kirchheimer Freihof-Realschule und der Club Bastion in Kirchheim hat fünf Geräte in Betrieb.“ Bisher habe es nur positive Rückmeldungen gegeben.

Die kürzlich getroffenen Entscheidungen der Landesregierungen in Bayern und Baden-Württemberg, die Raumluftreinigung an Schulen finanziell zu fördern, bringen nun zusätzlichen Schwung. ­Schwarz-Kiene freut sich: „Wir sind startklar und können 200 Geräte sofort zusammenbauen.“ Kritisch wird es, wenn größere Bestellungen kommen, wie der UV-Experte bestätigt: „Die Lieferzeit für die Lüfter beträgt derzeit rund 40 Wochen.“

Trotz dem eher zufälligen Geschäftszweig mit dem Raumluftreiniger halten Schwarz-Kiene und Wiesmann an ihren persönlichen Zielen in der Excimer-Technologie fest (siehe Kasten) und wollen weiter kreativ sein.

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