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„Scarlet Emperor“ kommt in den Garten

Anbau Verschollene Sorten und verschiedene Klassiker: Mit dem Projekt „Wachsende Begeisterung“ erhält der Nürtinger Verein „Genbänkle“ ein historisches, schwäbisches Saatgut. Von Andreas Warausch

Roman Lenz mit dem Saatgutset. Foto: Andreas Warausch
Roman Lenz mit dem Saatgutset. Foto: Andreas Warausch

Alte Sorten und deren geschmackliche Vielfalt will der in Nürtingen ansässige Verein „Genbänkle“ wieder in die Gärten und die Küche bringen. Dafür wurde die Aktion „Wachsende Begeisterung“ aufgelegt, in deren Zuge sieben his­torische, schwäbische Saatgutsorten im Säckchen als Set vertrieben werden.

Auch in Corona-Zeiten beginnt nun die Gartensaison - oder gerade zu diesen Krisenzeiten. Denn vor allem jetzt, sagt Roman Lenz, seien die Menschen für „Genbänkle“-Themen empfänglich. „Die Leute sind sensibler für solche Bereiche wie die Ernährungssouveränität“, sagt der Professor, der Pflanzen­ökologe und Dekan an der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt ist. Man erkenne nun zunehmend, dass eine Abhängigkeit von globalen Märkten auf dem Ernährungssektor zum Beispiel nicht gut sei.

Doch die Coronakrise hat natürlich für den Verein, der seit zwei Jahren als Netzwerk für Sortenretter und -erhalter im Ländle arbeitet, auch einen großen Vorteil. Normalerweise ist das „Genbänkle“ im Frühjahr bei vielen Märkten und Veranstaltungen präsent. Die fallen nun weg. Ärgerlich sei es, sagt Lenz, dass diese Märkte nicht wie Wochenmärkte behandelt werden.

Eine Ausnahme bildet zwar der Jungpflanzenmarkt auf dem Gelände der Alten Seegrasspinnerei am 9. Mai. Dennoch schaut sich der Verein nach anderen Wegen um, auf denen seine Ideen und mit ihnen das historische Saatgut verbreitet werden können. Die Aktion „Wachsende Begeisterung“ ist ein solcher Kanal, der sich für Menschen mit Beet im eigenen Garten, aber auch mit Topf auf Terrasse und Balkon eignet.

Damit stieß man bislang auch schon auf eindrucksvolle Resonanz. 1 000 Säckchen sind vorbereitet worden. Beworben hat man sie im Internet. Sogar der SWR hat mit einem kurzen Film in einer Folge seiner Reihe „Natürlich!“ auf die „Genbänkle“-Anliegen ein Schlaglicht geworfen. Und schon sind bereits 200 der 1 000 Sets angefordert worden.

Den Weg in den Anbau ebnen

Im kleinen Sack finden sich die sieben Schwaben, wie Roman Lenz erklärt. So nennt er die sieben Tüten mit dem Saatgut, das Bioqualität entspricht. Da ist natürlich der Klassiker: „Späths Alblinse I“. Mit dabei in der ersten Auflage der Kopfsalat „Wunder von Stuttgart“, der Rettich „Ostergruß rosa 2“, der Weißkohl „Filder-Spitzkraut“, die Feuerbohne „Scarlet Emperor“, die Zwiebel „Stuttgarter Riesen“ und der Lein „Blaues Wunder“. Zu jeder Sorte gibt es Anleitung zum Säen und Pflegen und Hintergrundinformationen auf der Tüte. Die achte Tüte im Set ist für den Rücklauf, wenn jemand selbst eine alte, seltene oder gar verschollene Sorte hat.

Anders als in den großen Samenarchiven in St. Petersburg, wo man einst Späths Alblinse wiederentdeckte und deren neue Erfolgsgeschichte begann, oder im Permafrostboden in Spitzbergen wollen die Idealisten vom Genbänkle die bedrohten Sorten lebendig erhalten, in dem sie ihnen den Weg in den Anbau oder bestenfalls in eine regionale Wertschöpfungskette ebnen.

Dabei wollen Lenz und Co. nicht selbst in Vermehrung und Vermarktung einsteigen. Man versteht sich als ein Kreis von Netzwerkern und Multiplikatoren. Lenz: „Wir machen Stimmung für eine Sache.“ Man gibt den Anstoß, private Gärtner und natürlich auch Erwerbsgärtner sollen dann tätig werden.

1 Interessierte können das Set „Wachsende Begeisterung“ online bestellen unter www.genbaenkle.de.

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