Unzugeordnete Artikel

Schämen für den Gemeinderat?

Zum Artikel „Wo ist das Problem“ vom 21. Juli

Als ich diesen Artikel zum ersten Mal las, war mein erster Gedanke: Ist nun tatsächlich die große Ignoranz gegenüber Fakten, in der sich die Führungen einiger Weltmächte seit geraumer Zeit fleißig üben, nun auch im Dorf Ohmden angekommen? Muss man sich nun auch schämen für das Verhalten einiger Ohmdener Gemeinderäte, die ihre privaten Vorstellungen und Vorurteile pflegen, die blind sind für die Realität an der Grundschule Ohmden?

Über viele Jahre hinweg habe ich selbst mit den Schülern an der Grundschule arbeiten dürfen. Für mich sind zwei Dinge klar: Zum einen wachsen da wunderbare Kinder heran, betreut von großartigen Pädagogen, die alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Kinder bei deren Entwicklung zu unterstützen. Und zum anderen: Ja, die Zahl der - vorsichtig ausgedrückt - verhaltensauffälligen Kinder hat über das Dutzend Jahre, das ich überblicke, deutlich zugenommen. Die Grenze dessen, was Lehrer vermögen, ist schon lange überschritten, nicht erst seit diesem Schuljahr. Es ist müßig, über die Ursachen zu grübeln. Fakt ist: Es gibt gravierende Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Miteinander, und Fakt ist: Die Grundschullehrer sind überfordert in der Aufarbeitung psychosozialer Probleme. Schon Eltern mit einem Kind können in solchen Fällen überfordert und auf externe Hilfe angewiesen sein.

Da klingt es wie blanker Hohn, wenn ein Gemeinderat meint, eine Schule mit 65 Schülern brauche keine Schülersozialarbeit. Als ob deren Notwendigkeit eine Frage der Kopfzahl sei. Eigentlich ist es ein großer Fortschritt, dass unsere Gesellschaft insgesamt größere Sensibilität gegenüber solchen Problemfeldern entwickelt hat, dass man den Dingen auf den Grund geht und nachhaltige Hilfe angeboten werden kann. Diese fortschrittliche Haltung wünscht man langfristig und nachhaltig auch dem Ohmdener Gemeinderat, zum Wohle aller künftigen Schüler an der Grundschule Ohmden.

Bertram Schattel, Kirchheim

Anzeige