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Schatten der Vergangenheit

Zum Artikel „Kampf zwischen Kunst und Natur“ vom 12. Juli

Werner Hauser, der gestaltungsmächtige und stilsichere OB der 70er- und 80er-Jahre, meldet sich zu Wort. Er überrascht uns mit der Forderung, die Platanen am Postplatz einzukürzen, auf dass „sein“ Brunnen in hellerem Licht erstrahle.

Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob jemand, der das Alte Haus abreißen wollte, qualifiziert ist, der Stadt Gestaltungsvorschläge zu unterbreiten, ist diese Forderung schon eine ziemliche Unverfrorenheit.

Denn diese (trotz ihrer mickrigen Pflanztröge) wunderbar gediehenen Bäume sind der einzige Faktor, der der öden Tristesse dieser Asphaltwüste immer besser entgegenwirkt. Kahl geschnitten würde der Platz allerdings besser zu einer weiteren großartigen Hinterlassenschaft Werner Hausers passen, dem Teck-Center.

Der eklektizistische Brunnen selber, schon bei seiner Einweihung ästhetisch nicht unumstritten, hat in über drei Jahrzehnten nicht viel gewonnen. Mich gemahnt er an den Versuch, das Bauhausgebäude in Dessau mit überdimensionierten Rottweiler Narrenmasken zu verschönern.

Zur Beilegung des beschriebenen Streits hätte ich übrigens eine Lösung parat: Der Brunnen wird abmontiert und durch eine große Grünfläche mit Spielplatz in der Mitte des Platzes ersetzt (dafür wäre ich bereit, mich finanziell zu beteiligen), anschließend wird er im Garten von Werner Hauser wieder aufgestellt, wo er fortan unverschattet für die überschaubare Zahl seiner Bewunderer glänzen kann.

Jörg Battenschlag, Kirchheim

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