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Schnelle Hilfe für kranke Babys

Unterstützung Im Kreis Esslingen wurde ein Förderverein zur Anschaffung eines Baby-Notarztwagens gegründet. Initiator ist Harald Weith. Astrid Fridrich übernimmt die Schirmherrschaft. Von Anneliese Lieb

Bislang müssen die Rettungssanitäter und das Team der Esslinger Kinderklinik für einen Einsatz erst den Inkubator im Fahrzeug in
Bislang müssen die Rettungssanitäter und das Team der Esslinger Kinderklinik für einen Einsatz erst den Inkubator im Fahrzeug installieren. In einem Babynotarztwagen, wie ihn der Förderverein beschaffen will, ist der Inkubator fest im Wagen eingebaut.Foto: Anja Dietze

Die Anschaffung eines Baby-Notarztwagens für den Landkreis Esslingen ist in greifbare Nähe gerückt: „Gerne habe ich die Schirmherrschaft für den Förderverein zur Anschaffung eines Baby-Notarztwagens für den Landkreis Esslingen übernommen“, sagt Astrid Fridrich, die Frau des Nürtinger Oberbürgermeisters. Als Mutter einer kleinen Tochter war sie spontan bereit, sich als Schirmherrin in den Dienst der guten Sache zu stellen. Ihr Engagement hat bereits Früchte getragen. Mit „Star Care“ hat Astrid Fridrich einen Großsponsor für das Projekt gewonnen. Wunsch der Initiatoren ist, das Fahrzeug im Sommer 2022 in Betrieb zu nehmen. Dazu braucht es freilich noch weitere Unterstützung, denn das Fahrzeug muss später auch unterhalten werden.

Reicht für den Transport nicht ein normaler Rettungswagen aus? „Im Prinzip ja, aber durch die notwendige Umrüstung mit dem Baby-Transportinkubator geht wertvolle Zeit verloren, bis wir zum Einsatz starten können“, sagt Harald Weith. Schon vor einem Jahr ergriff der Rettungssanitäter aus Aichwald die Initiative für die Gründung eines Fördervereins. Am 15. August 2020, also genau vor einem Jahr, hatte Weith während seiner Rettungswagen-Schicht drei Baby-Notarzteinsätze in Folge. Die Säuglinge mussten in verschiedene Kliniken im Landkreis Esslingen gebracht werden. „Die Einsätze sind Gott sei Dank gut verlaufen, aber die Transporte waren nicht optimal“, sagt Weith. So reifte die Idee eines Baby-Notarztwagens für den Landkreis. Mit weiteren Unterstützern wurde der Förderverein für einen Baby-Notarztwagen für den Landkreis Esslingen ins Leben gerufen.

„Das Fahrzeug ist mit einer besonderen Federung für einen erschütterungsarmen, bestmöglichen Transport der Kleinsten ausgestattet“, sagt Hanna Rehm, Kindernotärztin am Klinikum Esslingen. In einem speziellen Baby-Notarztwagen ist der Transport- inkubator bereits eingebaut und muss nicht jedes Mal installiert werden. Außerdem sind zwei Sitzplätze für das medizinische Personal direkt am Transportinkubator montiert, damit der kleine Patient schon während der Fahrt sicher versorgt werden kann.

Die medizinische Versorgung im Landkreis Esslingen sei sehr gut, sind sich die Expertinnen einig. Durch einen Baby-Notarztwagen könne sie für die Kleinsten aber noch besser gemacht werden. Wie lebenswichtig der spezielle Notarztwagen sein kann, erläutert Hanna Rehm an einem Beispiel: „Im Krankenhaus Nürtingen kommt zum errechneten Termin ein Baby zur Welt. Das Baby hat eine Anpassungsstörung der Atmung und muss in eine Kinderklinik verlegt werden.“ Vom Kreißsaal aus werde die Kinderklinik in Esslingen informiert. Von der Kinderintensivstation wird über die Leitstelle der Rettungswagen (RTW) informiert. Der RTW muss dann für die Fahrt nach Nürtingen zuerst umgerüstet werden.

Ein spezieller Baby-Notarztwagen ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen und wird daher von den Krankenkassen nicht finanziert. „Einige umliegende Landkreise haben aber bereits ein Spezialfahrzeug, das über Spenden finanziert wurde“, berichtet Harald Weith.

Als Glücksfall hat sich für die Initiative die Mitwirkung von Astrid Fridrich herausgestellt. Sie bekam von Marc Lippe von den Maltesern den Tipp, mal bei „Star Care“ anzuklopfen. Der in Stuttgart ansässige Verein unterstützt regionale Projekte für Kinder und Jugendliche beziehungsweise medizinische Einrichtungen mit Spendengeldern. Über Charity-Veranstaltungen und aus einem Weinverkauf aus der jährlichen „Star Care“-Truck-Tour werden die Spendengelder generiert. Die Erlöse der diesjährigen Trucktour werden komplett für den Baby-Notarztwagen zur Verfügung gestellt. Dadurch, so Fridrich, sei zwar noch nicht der komplette NAW mit Inkubator finanziert, der Förderverein erhalte jedoch ausreichend Kapital, um das Fahrzeug schon mal bestellen zu können. Die Lieferzeit beträgt coronabedingt derzeit etwa zwölf Monate.

Betrieben wird das Fahrzeug, wenn es im Sommer 2022 an den Start geht, vom DRK Esslingen-Nürtingen. Der Baby-Notarztwagen wird in der Rettungswache Esslingen auf dem Gelände des Klinikums Esslingen stationiert.

Helfen kann man mit Spenden an den Förderverein, mit einer Mitgliedschaft im Förderverein oder einer Weinbestellung im Onlineshop der „Star Care“-Truck-Tour. Pro bestellter Flasche kommen fünf Euro dem Baby-NAW zugute.

1 Weitere Infos über das Vorhaben gibt es unter www.baby-naw-esslingen.de

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