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Schutz vor Unheil

Traditionen Dieses Jahr ist es an Silvester nicht möglich, böse Geister mit Feuerwerk und Böllerei abzuschrecken. Doch es gibt eine Alternative: Räuchern.

Zum Räuchern eignet sich beispielsweise Weihrauch oder Myrrhe. Aber auch Wacholder, Beifuß oder Salbei kann man verwenden.Foto:
Zum Räuchern eignet sich beispielsweise Weihrauch oder Myrrhe. Aber auch Wacholder, Beifuß oder Salbei kann man verwenden.Foto: Roberto Bulgrin/Kosmos Verlas/dpa

Das Räuchern mit Harzen und Kräutern ist eine alte Tradition in der dunklen Jahreszeit. Mit dem Ausräuchern von Haus, Hof und Stall wollte man sich vor Unglück schützen. Der Rauch sollte nicht nur Schutz bieten, sondern auch reinigen und desinfizieren - sogar die Pest versuchte man mit Räucherharzen einzudämmen. Am häufigsten geräuchert wird am Heilig Abend, in der Silvesternacht und in der Nacht zum 6. Januar.

Heute geht es beim Räuchern im Winter mehr um Gemütlichkeit - gerade wenn die Adventszeit mit Kerzenlicht und Räucherwerk begleitet wird -, jedoch auch um Reflexion und Zukunftsschau, zum Beispiel in den Raunächten, erklärt die Räucherexpertin Christine Fuchs aus dem schwäbischen Magstadt.

Auch welches Räucherwerk besonders geeignet ist, weiß sie: „Zu den Klassikern in unserem europäischen Kulturkreis zählen Beifuß, Wacholder, Duft- beziehungsweise Mariengras, Engel- und Meisterwurz. Je nach Jahreszeit werden auch Mistel, Tannennadeln, Fichtenharz und Efeu oder Schafgarbe, Waldmeister, Johanniskraut und Mädesüß genutzt. Und auch typischen Heil- und Gartenkräutern wie Minze, Melisse, Thymian, Rosmarin, Oregano, Lavendel und Ysop sowie Rosen- und Kamillenblüten lassen sich herrliche Räucherdüfte entlocken.“

Diese Pflanzen eignen sich ihrer ätherischen Öle wegen besonders gut. Um den Duft länger im Raum zu halten, werden die Kräuter gern mit Harzen gemischt. Sie binden den Duft und sorgen dafür, dass man ihn lange genießen kann - manchmal sogar bis zum nächsten Tag.

Fichten- und Kiefernharz empfieht die Expertin besonders. „Allerdings sollte nur altes, trockenes Harz gesammelt werden. Junges Harz ist weich und klebrig wie Honig und kann noch keinen feinen Räucherduft entfalten. Ist das Harz fest und rotbraun gefärbt, kann es leicht von der Rinde entfernt werden und ist ideal zum Räuchern. Auch Tannenharz kommt beim Räuchern zum Einsatz. Es zu sammeln ist allerdings sehr mühselig: Es sind nämlich vorwiegend die Zapfen, die das Harz ausschwitzen - als weiße Krümel zwischen den Zapfenschuppen.“

Im Fall der Kräuter empfiehlt Fuchs, sie im Sommer zu ernten. Früher gab es dafür einen festen Termin: Zu Mariä Himmelfahrt am 15. August, so ist überliefert, enthielten die Kräuter die meisten ätherischen Öle. Heute sind sie um diese Zeit oft schon ganz ausgetrocknet. Je nach Wetter erntet die Expertin sie deshalb schon Anfang Juli und kann dann sogar Ende Juli/Anfang August ein zweites Mal ernten. Wichtig ist es, für die Ernte einen sonnigen Tag auszuwählen, damit die Pflanzen trocken sind und bereits Sonne tanken konnten.

Für das Räuchern wird ausschließlich das getrocknete Räucherwerk verwendet. Um den Kräutern die Feuchtigkeit zu entziehen, werden sie als Büschel aufgehängt oder in gestapelten Kisten getrocknet. empfiehlt Fuchs. Ideal sei ein dunkler Speicher oder ein Raum, der gut zu lüften ist. Auch im Backofen lassen sich die Pflanzen trocknen - allerdings nicht zu warm, damit die ätherischen Öle nicht entweichen. „Sonst duftet riecht es nur einmal, nämlich während des Dörrens. Melanie Öhlenbach

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