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Silphie-Paper stellt Betrieb ein

Wirtschaft Mitte August gehen in der Lenninger Papierfabrik erneut die Lichter aus. Für die gut 100 Jahre alte Papiermaschine hätte es erhebliche Investitionen gebraucht. Betroffen sind 30 Mitarbeiter. Von Anke Kirsammer

Um die Papiermaschine aus dem Jahr 1903 zu modernisieren, wäre laut Stefan Radlmayr, Geschäftsführer von Silphie-Paper, ein zwei
Um die Papiermaschine aus dem Jahr 1903 zu modernisieren, wäre laut Stefan Radlmayr, Geschäftsführer von Silphie-Paper, ein zweistelliger Millionenbetrag nötig gewesen. Foto: Carsten Riedl

Fast genau zwei Jahre nach dem Start stellt die Firma Silphie-Paper in Oberlenningen die Produktion ein. Zuletzt hatte das Unternehmen mit unangenehmen Gerüchen im Ort für Aufsehen gesorgt. Der Ursache weiter nachzugehen, ist hinfällig. Mitte August werden in Lenningen zum letzten Mal Kartonagen aus der nach Tabak riechenden Silphie-Pflanze ausgespuckt. „Mit dem Geruch hat das nichts zu tun“, sagt Dr. Ulrich Scheufelen, Berater von Silphie-Paper. Hauptgrund sei das Alter der Papiermaschine. Die „PM 2“ stammt aus dem Jahr 1903. Die „alte Dame“ verursache gewaltige Energiekosten. Scheufelen zieht den Vergleich zu einem Oldtimer: „Der verbraucht auch deutlich mehr Sprit als ein modernes Auto.“ Nach wie vor hatte Silphie-Paper lediglich die Genehmigung für die Produktion von 20 Tonnen am Tag. Das Okay des Regierungspräsidiums Stuttgart für 70 Tonnen stand aus. Die Maschine für eine relativ geringe Produktion hochfahren zu müssen, verbrauche nicht nur immens Energie, sondern bringe auch hohe Personalkosten mit sich.

Betroffen sind von der Stilllegung des Betriebs 30 Mitarbeiter. Weil es sich nicht um eine Insolvenz handle, bekämen die Beschäftigten wesentlich bessere Abfindungen, so Dr. Ulrich Scheufelen. Ein Ziel hat das Unternehmen erreicht: Erste Silphie-Verpackungen sind im Handel gelandet. So verkaufen Scheufelen zufolge Kaufland und Lidl Obst und Gemüse in Schachteln aus dem Öko-Rohstoff.

Aus einer angeblich angestrebten langfristigen Produktion in Lenningen wird indes nichts. Stattdessen will OutNature, das Unternehmen, das Silphie-Papier vermarktet, mit anderen Partnern weitere Lösungen für die „grünen“ Verpackungen suchen. Zusätzliche Anwendungsbereiche sollen erschlossen und etabliert werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Energiepark Hahnennest in Ostrach, der Silphie-Paper mit aufbereiteten Fasern beliefert hatte, verkauft sie gemäß Scheufelen nun an andere Papierfabriken. Beispielsweise werde Altpapier durch Frischfasern verstärkt. Dafür eigne sich die Silphie.

In Lenningen geht die Tür für einen neuen Betrieb auf: Mit der Firma „Phoenix Non Woven“ ersteht das Wappentier der einstigen Papierfabrik Scheufelen aus der sprichwörtlichen Asche. Geschäftsführer ist der Chef von Silphie-Paper, Stefan Radlmayr. Intensivieren will „Phoenix Non Woven“ den Einsatz einer kleinen Nassvlies-Anlage, die in der ehemaligen Schlosserei steht. Geeignet ist sie nicht nur für Natur-, sondern auch für Keramikfasern. Benötigt werden die Erzeugnisse als Vorprodukte beispielsweise in der Filter- beziehungsweise Energiespeichertechnik. „Wir betreiben Forschung und Entwicklung“, erklärt Ulrich Scheufelen. Weiterhin am Standort ist zudem der Packaging Campus, auf dem mit der Vaihinger Hochschule der Medien zusammengearbeitet wird.

Stefan Radlmayr ist stolz auf das von Silphie-Paper Erreichte: Es sei gelungen, die „ökologischste Frischfaser der Welt“ für die Papierindustrie zu nutzen. Der nächste Schritt müsse die industrielle Produktion von Silphie-Papier ebenfalls mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck sein. „Hier ist es nur konsequent, den Standort zu wechseln.“ Die Standort-Probleme in Lenningen seien nicht auszublenden. Stefan Radlmayr selbst will sich der Entwicklung von Verfahren widmen, die Biomasse von einjährigen Pflanzen aufschließen.

Weiter offen ist, wo sich das Technikum Laubholz ansiedelt. Die Gemeinde hat erneut ihr Interesse bekundet. Vergangene Woche hatte sie für das Gelände eine Veränderungssperre erlassen, um zu verhindern, dass eine Spedition Fakten schafft. Ulrich Radlmayr, Geschäftsführer der Scheufelen Grundstücksgesellschaft, erklärt dazu: „Sie können davon ausgehen, dass uns an einer guten Entwicklung gelegen ist.“

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