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Sinnvolle Pläne

Zum Artikel „Sozialdemokraten wollen Multimillionären ans Vermögen“ vom 24. August

Marcel Fratzscher, Chef des größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts DIW hat am 27. August in einem Deutschlandfunk-Interview zur notwendigen Versachlichung der Debatte um die Vermögenssteuerpläne der SPD beigetragen. Insbesondere die Besteuerung von Grund und Boden hält Fratzscher für richtig. Hier könne die berechtigte Befürchtung weniger eintreffen, dass Vermögen ins Ausland gebracht oder Unternehmen abwandern würden. Grund und Boden könnten nicht weglaufen. Es sei sinnvoll, Grundbesitzer in großen Städten, die vom Wertgewinn ihrer Grundstücke profitierten, steuerlich stärker zu belasten. Frankreich, Großbritannien und die USA würden vor allem durch die Besteuerung von Grund und Boden - in Relation zur Wirtschaftsleistung - viermal so viel einnehmen wie Deutschland.

Nach Schätzungen des DIW wird derzeit jedes Jahr die enorme Summe von 400 Milliarden Euro in Deutschland vererbt oder verschenkt. Erbschaften und Schenkungen werden ungewöhnlich gering und ungleich besteuert. Nach Freibetrag zahlen Erben mit vergleichsweise geringen Erbschaften im Durchschnitt zehn Prozent an Steuern. Unternehmenserben mit über zehn Millionen Euro an Erbschaften zahlen dagegen im Durchschnitt nur ein Prozent an Steuern auf diesen Wert. Diese Diskrepanz rührt von den großzügigen Ausnahmen bei der Vererbung von Unternehmen her, mit denen eine Substanzbesteuerung vermieden werden soll. Fratzscher würde deshalb bei den Vermögen ansetzen, die durch Vererbung oder Schenkung erworben würden.

Hans Dörr, Notzingen, Sprecher des Kirchheimer Forums 2030

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