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Spannender Einblick in andere Kulturen

Integration Im Rahmen der interkulturellen Woche zeigt ein Stadtrundgang durch Kirchheim, wie vielfältig die Angebote zur Verständigung sind. Von Helga Single

Auch sportliche Einlagen gehören zum Rundgang: Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader macht einen Kniefall vor einer Tänz
Auch sportliche Einlagen gehören zum Rundgang: Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader macht einen Kniefall vor einer Tänzerin der Flamencogruppe „Pasión Flamenca“. Foto: Helga Single

Zu einem Stadtrundgang der besonderen Art hatten zahlreiche Mitglieder aus dem Integrationsrat der Stadt und Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader im Rahmen der interkulturellen Woche geladen. Integrationsbeauftragter Ali-Babak Rafipoor und Stadtführer Willi Kamphausen führten die zahlreichen Teilnehmer an Orte der kulturellen Verständigung, die mit ihren vielfältigen Angeboten die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund verbessern. Los ging‘s an der „Zentralen Begegnungsstätte“, der Bücherei, die nicht nur Treffpunkt zum Reden und Lernen geworden sei, sondern auch wegen ihrer digitalen Nutzung von Interesse sei.

Martin Mauser und Anja Mayer präsentieren die „Bastion“, die aus dem Geist der 68er heraus entstanden war und heute der ältes- te Klub im Südwesten aus dieser Zeit ist, den es noch gibt. Ein ehrenamtlich tätiger Ausschuss entscheidet über das Programm, das musikalisch, literarisch oder kabarettistisch geprägt ist. Zuletzt war die Bastion Auftrittsort der Kirchheimer Band „Die Wüstenblumen“, die multikulturell, generationenübergreifend und vielfältig ist. „Die Bastion ist eine Plattform für Menschen aus aller Welt geworden“, so Mauser.

Das Mehrgenerationenhaus „Linde“ stellt Leiterin Jutta Ziller vor. Die Einrichtung arbeite „interkulturell und inklusiv mit dem Ziel zu integrieren.“ Die „Linde“ sei ein wichtiger Sozialraum und Lernort für Einzelne und Gruppen. Der Fokus liegt insbesondere auf den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen. Ein Büchertisch zu Rassismus und Diversität lädt zum Stöbern ein. Seit dem Abriss des Brückenhauses hat die Beratungsstelle „Chai“ einen Raum in der „Linde“ bekommen, in der Geflüchtete Beratung finden, erläutert Renate Hirsch vom Integrationsrat. Noch eine ganz besondere Darbietung gibt es von den Damen der Flamencogruppe „Pasión Flamenca“, die zu heißen Flamencoklängen sogar die Hüften von Oberbürgermeister Bader zum Kreisen bringen.

Nach kurzer sportlicher Einlage wird es im tamilischen Hindutempel im Riethmüller-Areal ruhiger. Eine gemalte Lagune mit Schwänen, exotischen Früchten und Wände in roten und weißen Streifen auf den vorher kahlen Wänden geben einen würdigen Rahmen für verschiedene Tempel der Gottheiten. „Hier ist ein Zufluchtsort, in dem wir unsere Traditionen und Kultur pflegen“, so beschreibt es die junge Frau im Sari. Der Hauptschrein in der Mitte des Raumes ist Amman gewidmet, der Frau Shivas, des wichtigsten Gottes im Hinduismus. Jeder Gott hat seinen eigenen, feierlich geschmückten Altar.

Durch den Hain der Kulturen geht es zur Sultan-Ahmed-Moschee. 2014 wurden im Hain der Kulturen 14 Bäume unter Beteiligung aller Kulturen und Religionen, die in Kirchheim leben, gepflanzt. In der Moschee in der Lohmühlgasse war Hülya Kambir, die Frau des Vorstandsvorsitzenden Yakub Kambir die Gastgeberin. Im Gebetsraum im oberen Stockwerk beten die Männer, die Frauen im Erdgeschoss. Der Ruf zum Freitagsgebet erfüllt den Raum: „Allahu akbar“ („Gott ist groß“). Der Gebetsruf erklingt auf Arabisch. Der Imam verneigt sich in Richtung Mekka. Ursprünglich gab es überwiegend türkischstämmige Mitglieder in der Moschee, „doch nach den Flüchtlingsströmen aus dem Jahr 2015 hat es sich in die sunitische Richtung entwickelt“, erzählt Hülya Kambir. Am Ausgang wartet der Hausmeister mit einem erfrischenden Trinkjoghurt auf.

Die letzte Station bildet das Café Eckpunkt, das 2015 als Ort der Verständigung gegründet worden war und wie der Diakonieladen zum Diakonieverband Esslingen gehört. In den Diakonieladen kommen nicht nur einsame Menschen zum Plaudern oder Käuferinnen und Käufer mit einem schmalen Budget, sondern inzwischen auch immer mehr junge Menschen, die Wert auf Nachhaltigkeit und Wiederverwertung legen, erklärt Annette Weißenstein, Leiterin des Ladens. „Beide Einrichtungen werden sehr gut angenommen.“ Zum Gelingen würden Männer wie Salem Alfarag beitragen, der 2015 aus Syrien gekommen war und im Café Eckpunkt Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite steht oder Ibrahim, der den Kontakt zur Kundschaft schätzt und froh ist, einen der zwölf Plätze für Langzeitarbeitslose im Diakonieladen bekommen zu haben.

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