Unzugeordnete Artikel

Spitzenweine kommen vom Neuffener Tal

Ehre Die 2019er-Weißweine des Linsenhöfer Weinbaubetriebs Dolde wurden im „Wine Advocate“ von Weinpapst Robert Parker mit „hervorragend“ bewertet. Von Volker Haußmann

Im Weinberg gibt es immer was zu tun: Helmut Dolde bei der Arbeit am Rebstock. Foto: Volker Haußmann
Im Weinberg gibt es immer was zu tun: Helmut Dolde bei der Arbeit am Rebstock. Foto: Volker Haußmann

Es ist wieder warm geworden in den Weinbergen im Neuffener Tal. Helmut Dolde nutzt das schöne Wetter und arbeitet in seinem Weinberg bei Linsenhofen. Zum einen gilt es, am Rebstock überzählige wilde Triebe auszubrechen. Das diene dem Schutz vor Pilzinfektionen, erklärt er. Außerdem ist er damit beschäftigt, die Begrünung zwischen den Rebzeilen zu reduzieren. Dieses „Wassermanagement“ erachtet er als notwendig, da mit einem trockenen Jahr zu rechnen sei. „Die Reben brauchen ungestörten Wurzelraum. Zu viel Begrünungskonkurrenz mindert letztlich die Weinqualität“, erklärt Helmut Dolde. Diese Maßnahme ist nur eine von „zahlreichen Stellschrauben, die wir drehen, um eine optimale Weinqualität zu bekommen“, sagt der Weinbaufachmann. „Das ist mit viel Zeitaufwand verbunden.“

Die Mühe lohnt sich, wie die aktuellen Bewertungen von Dolde-Weinen in Robert Parkers aktuellem Newsletter „The Wine Advocate“ belegen. Der US-amerikanische Weinkritiker und Weinjournalist Robert Parker gilt als Koryphäe unter den internationalen Weinexperten. Auf ihn geht die Bewertung von Weinen anhand der sogenannten Parker-Punkte zurück. Für Parker arbeitet ein international tätiges, mehrköpfiges Team von Verkostern.

Zum Parker-Team gehört auch Stephan Reinhardt, laut Helmut Dolde zuständig für Weine aus österreichischen und Schweizer Anbaugebieten sowie für Weine aus den französischen Weinbauregionen Loire und Champagne. Reinhardt habe bei ihm wegen einer Vergleichsverkostung angefragt, erzählt Dolde. Und zwar habe er fränkische Silvaner mit denen aus Doldes Weinbaubetrieb vergleichen wollen. Da hat Dolde gern mitgemacht, denn „der Silvaner, das ist unsere Sorte, damit haben wir in Baden-Württemberg ein Alleinstellungsmerkmal. Den können wir.“

Zu diesem Schluss kam offenbar auch der Parker-Weinverkos­ter Reinhardt. Statt sich allerdings auf die Silvaner zu beschränken, hat er gleich Doldes gesamtes frisch in Flaschen abgefülltes 2019er-Weißweinspektrum durchprobiert und ist dabei zu bemerkenswerten Ergebnissen gekommen. 87 Parker-Punkte, was einen „überdurchschnittlichen bis sehr guten Wein“ bedeutet, vergab er für Doldes Weißburgunder Brauner Jura. Mit 90 Parker-Punkten, somit ein „hervorragender Wein“, bewertete er Doldes Riesling Linsenhöfer Brauner Jura und dessen Riesling Neuffener Weißer Jura. Auch der Silvaner Weißer Jura bekam 90 Punkte. Mit der Bewertung 90 Plus adelte der Weinverkoster Doldes Silvaner Alte Reben und den Silvaner Linsenhöfer Vulkan. Das Plus bekommen jene Weine, die sich durch Lagerung noch verbessern können.

Parkers „Wine Advocate“ findet weltweite Verbreitung und ist in erster Linie als Orientierungshilfe für Weinhändler gedacht. „Gute Parker-Bewertungen sind vom Renommee her das Beste in der Weinbranche“, freut sich Dolde. „Ist doch auch toll für unsere Region, wenn wir hier Weine machen, die international Beachtung und Wertschätzung finden.“

Zwar sei bei der Weinherstellung „sehr viel Können mit dabei“, letztlich aber könne man nur das Potenzial ausschöpfen, das die Trauben haben. Den Jahrgang 2019 preist Dolde als einen der „besten Jahrgänge“ der letzten Jahre. „Wir hatten eine lange Vegetationsperiode und dank der Nähe zur Alb auch eine ausreichende Wasserversorgung. Und im September trafen die voll ausgereiften Trauben auf kühle Nächte.“ Letzteres habe den Säureabbau gebremst, die Weine zeichneten sich deshalb durch „sehr viel Frische, Eleganz und Saftigkeit“ aus, meint nicht nur Dolde, sondern auch der Parker-Verkoster Reinhardt.

„Die Weine sind jetzt noch sehr jugendlich, haben Biss und Frische. Aber wenn man einen Wein als Essensbegleiter wollte, tut ihm Reife schon gut.“ Jetzt hätten die Weine noch einen „gewissen Gerbstoffcharakter“, der aber im Lauf des Jahres zurückgehe.

Anzeige