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Steimle rackert auf der Windkante

Radsport Der Weilheimer belegt nach einer brutalen Arbeitswoche als bester Deutscher Platz 15 bei der Dänemark-Rundfahrt. Der Gesamtsieg seines Teamkollegen Remco Evenepoel geht auch auf sein Konto. Von Bernd Köble

Ein tägliches  Bild bei der Dänemark-Rundfahrt: Jannik Steimle (vorne) macht die Pace vor seinen beiden Teamkollegen Michael Mor
Ein tägliches Bild bei der Dänemark-Rundfahrt: Jannik Steimle (vorne) macht die Pace vor seinen beiden Teamkollegen Michael Morkov und Marc Cavendish. Am Ende war der Weilheimer zweitbester Quick-Step-Fahrer im Gesamtklassement.Foto:Roth

Remco Evenepoel heißt der Gesamtsieger bei der am Samstag zu Ende gegangenen Dänemark-Rundfahrt, und Jannik Steimle ist der Mann, der großen Anteil hat an diesem Erfolg. Die Mannschaft von Deceuninck Quick-Step hat der fünftägigen Schleife im Norden ihren Stempel aufgedrückt. Mit Hilfe des 25-jährigen Weilheimers, der in der Woche ein gewaltiges Arbeitspensum verrichtete und nach drei Top-Ten-Etappenplätzen die Rundfahrt als 15. des Gesamtklassements und zweitbester Fahrer der belgischen Equipe beendete.

Die Erwartungen waren - wie er selbst sagt - groß. Auf der ersten längeren Schleife nach seiner sturzbedingten Pause wollte Steimle zeigen, dass er zurück ist. Daraus wurde eine Demonstration der Stärke und der Beweis dafür, dass Radrennfahren ein Mannschaftssport ist. Fünf Tage lang hatte Steimle die Nase im Wind, investierte die letzten Körner, um Teamkollegen wie Remco Evenepoel oder Mark Cavendish abzuschirmen und das Tempo im Feld hochzuhalten. Auf den flachen Sprintetappen ebenso wie durchs hügelige Innenland mit bis zu 20 Prozent steilen Rampen.

Evenepoel und der Belgier Yves Lampaert waren bei Quick-Step die heißen Kandidaten fürs Gesamtklassement. Lampaert beendete das Rennen bereits nach der ersten Etappe, nachdem er am Dienstag Vater geworden war. Die Hoffnung, dadurch mehr Freiheiten zu erhalten, währte für Steimle aber nur bis zur Königsetappe über 219 Kilometer am dritten Tag. Nach den Plätzen neun und fünf zum Auftakt kam es nach einer Abfahrt zur entscheidenden Szene: Evenepoel versteuerte in einer scharfen Rechtskurve und konnte einen Sturz gerade noch verhindern. Die Lücke zum enteilten Feld zu schließen, war danach ein Job für Steimle, der auf den letzten 40 Kilometern hart auf der Windkante das letzte herausholte und sich danach völlig entkräftet an der Spitze verabschiedete, während Evenepoel mit einem fulminanten Antritt auf den letzten 16 Kilometern als Ausreißer ins Gelbe Trikot fuhr.

Für Jannik Steimle war die Arbeitswoche eine schwere Hypothek für das abschließende Einzelzeitfahren am Samstag über 10,8 Kilometer, in das er große Hoffnungen gesetzt hatte. „Mindestens das Podium“, beschreibt er sein Ziel auf dem technischen Kurs im Kopenhagener Stadtteil Fredriksberg. Am Ende reichten die Kräfte für einen starken fünften Platz mit 15 Sekunden Rückstand auf den Tages- und Gesamtsieger Remco Evenepoel.

„Ich glaube, nach dieser Woche bin ich zurück im Spiel“, sagt Jannik Steimle. Eineinhalb Wochen noch, dann bietet sich ihm am 26. August mit dem Auftakt zur Deutschland-Tour in Stralsund die nächste Gelegenheit. Quick-Step wird dort zwar erneut mit Stars wie Mark Cavendish, Joao Almeida oder Kasper Asgreen am Start sein, doch für den Weilheimer dürfte es diesmal einen Heimbonus geben. Am gestrigen Sonntag hieß es ersteinmal heim an seinen neuen Wohnort in Schorndorf. Aufs Rad ging es am Nachmittag trotzdem wieder. Allerdings galt diesmal der Windschatten seiner Freundin. Das Etappenziel: eine Eisdiele.

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